
Druckverfahren
Druckverfahren wählen: Offset, Digital und Tiefdruck nach Auflage und Norm
Druckverfahren auswählen: Wann Offset-, Digital- oder Tiefdruck bei deutschen Auflagen wirtschaftlich sind, was DIN 16500 einordnet und welche ISO-12647-Standards gelten.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Für DIN A4, vier Farben und einfaches Papier liegt die Faustwert-Schwelle zwischen Offset- und Digitaldruck bei etwa 500 bis 1.000 Stück.
- Sonderfarben und größere Formate verschieben die Schwelle nach oben, weil jede Farbe im Offsetdruck eine eigene Platte braucht.
- Tiefdruck rechnet sich erst bei mehreren 10.000 Exemplaren mit unverändertem Inhalt.
- Personalisierte Daten gehen nur im Digitaldruck, weil dort keine Druckplatte belichtet wird.
Auflagenschwellen: wann welches Verfahren kippt
Die Grenze für den eigenen Auftrag liefert keine Verbandsstatistik, sondern die Kalkulation aus Fixkosten und variablen Kosten. Die Schwellen in diesem Beitrag sind Faustwerte aus der Praxis. Sie schwanken mit Format, Farbigkeit, Papier und Druckerei und ersetzen kein Angebot.
Auflagenhöhen und Verfahren
Auflage
- bis 500 Stück
- Digitaldruck
- 500–5.000 Stück
- Offsetdruck
- ab 20.000 Stück
- Tiefdruck
Verfahren
- bis 500 Stück
- Kleine Auflagen
- 500–5.000 Stück
- Mittlere Auflagen
- ab 20.000 Stück
- Kataloge, Magazine
Beispiel
- bis 500 Stück
- 500–5.000 Stück
- ab 20.000 Stück
Fixkosten fallen einmal pro Auftrag an, variable Kosten mit jedem Exemplar. Im Offsetdruck sind die Fixkosten hoch, weil Platten belichtet, eingepasst und eingefahren werden. Im Digitaldruck entfallen sie, dafür kostet jedes Blatt mehr.
| Verfahren | Übliche Auflage | Kostentreiber | Wirtschaftliche Schwelle |
|---|---|---|---|
| Digitaldruck | 1 bis 500 Stück | Klickpreis, Toner, Personalisierung | bis etwa 500 Stück günstiger |
| Offsetdruck | 500 bis 100.000 Stück | Platten je Farbe, Einrichten, Makulatur | ab etwa 500 bis 1.000 Stück günstiger |
| Tiefdruck | ab mehreren 10.000 Stück | Zylindergravur, Rotationseinrichtung | Faustwert: unter 20.000 Stück meist nicht wirtschaftlich |
Fünf Farben bedeuten im Offsetdruck fünf Platten und fünf Rüstvorgänge, im Digitaldruck nur einen höheren Klickpreis. Größere Formate sprechen dagegen für Offset, weil Papier und Rüstzeit auf mehr Nutzen verteilt werden.
Der Tiefdruck nutzt gravierte Kupferzylinder. Die Gravur ist teuer und lohnt nur bei unverändertem Inhalt, dafür sinkt der Stückpreis bei Katalogen und Magazinen in sehr hohen Auflagen. Für Visitenkarten, Flyer oder Broschüren in kleinen und mittleren Auflagen kommt er praktisch nie in Frage.
DIN 16500: wie die Norm die Verfahren einordnet
DIN 16500 ordnet die klassischen Druckverfahren nach der Lage der druckenden zu den nichtdruckenden Stellen der Druckform. Offsetdruck gehört danach zum Flachdruck, Tiefdruck bleibt Tiefdruck, Flexodruck zählt zum Hochdruck und Siebdruck zum Durchdruck. Der Digitaldruck gehört nach gängiger Darstellung nicht zu diesen vier Hauptverfahren.
Die Norm hilft bei der Begriffsklärung im Angebot, nicht bei der Entscheidung. Papierformate regelt sie nicht: Die A- und B-Reihe legt DIN EN ISO 216 fest (früher DIN 476). A4 misst 210 × 297 mm, A5 148 × 210 mm.
Prozessstandards: ProzessStandard Offsetdruck und ISO 12647
Für die Qualität eines Verfahrens zählen die Standards der Reihe ISO 12647. Teil 2 beschreibt den Offsetdruck. Der ProzessStandard Offsetdruck (PSO), den die Fogra gemeinsam mit dem Bundesverband Druck und Medien (bvdm) zertifiziert, setzt diese Norm in einen Produktionsablauf um. Wer zertifiziert ist, druckt nach festgelegten Farbwerten.
Für die anderen Verfahren gelten eigene Teile: ISO 12647-4 für den Publikationstiefdruck, ISO 12647-5 für den Siebdruck und ISO 12647-6 für den Flexodruck. Fragen Sie bei farbkritischen Aufträgen, welche Norm die Druckerei einhält, und nach einem verbindlichen Proof.
Weitere Verfahren und Offsetvarianten
Flexodruck dominiert bei Etiketten und Verpackungen, Siebdruck bei Schildern und Displays. Beide sind für gewöhnliche Geschäftsdrucksachen selten die erste Wahl, mehr dazu im Vergleich von Offset, Digital, Sieb und Flexo.
Beim Offset unterscheidet man Bogen- und Rollenoffset. Bogenoffset eignet sich für kleine bis mittlere Auflagen, Rollenoffset lohnt bei hohen Auflagen wie Zeitschriften und Katalogen.
Rechenbeispiel: Ab wann Offset günstiger ist als Digital
Beispielrechnung mit angenommenen Werten, nicht mit Marktpreisen: Der Offsetdruck kostet 150 Euro Fixkosten pro Auftrag und 0,08 Euro je Exemplar. Der Digitaldruck hat keine Fixkosten, aber 0,30 Euro je Exemplar.
Kostenvergleich der Druckverfahren
Verfahren
- Offsetdruck
- hoch
- Digitaldruck
- niedrig
- Tiefdruck
- sehr hoch
Fixkosten
- Offsetdruck
- mittel
- Digitaldruck
- hoch
- Tiefdruck
- niedrig
Variable Kosten
- Offsetdruck
- 0,50–1,00 €
- Digitaldruck
- 0,80–1,50 €
- Tiefdruck
- nicht wirtschaftlich
Stückkosten 1.000
- Offsetdruck
- Digitaldruck
- Tiefdruck
Die Schwelle liegt bei 150 Euro geteilt durch die Differenz von 0,30 und 0,08 Euro, also bei rund 680 Stück. Bei 500 Stück ist digital mit 150 Euro günstiger als offset mit 190 Euro, bei 1.000 Stück liegt offset mit 230 Euro vorn.
Echte Angebote weichen ab, weil Papier, Format, Weiterverarbeitung und Versand einfließen. Fragen Sie deshalb bei zwei Auflagen an und vergleichen Sie die Stückpreise.
Nachweise und Umsatzsteuer
Für nachhaltige Ausschreibungen sind der Blaue Engel für Druckerzeugnisse und für Recyclingpapier sowie FSC- oder PEFC-Zertifikate übliche Kriterien. Papiersorte, Flächengewicht und Farbigkeit sollte das Angebot ausweisen.
Bücher, Zeitungen und Zeitschriften rechnet die Druckerei mit 7 Prozent Umsatzsteuer ab. Für Werbedrucksachen wie Flyer, Prospekte und Kataloge gilt der Regelsteuersatz von 19 Prozent nach § 12 UStG.
Angebote, Andrucke und Freigaben gehören in die Auftragsakte, weil § 238 HGB eine nachvollziehbare Buchführung verlangt.
Häufige Fragen
Ab welcher Auflage ist Offsetdruck günstiger als Digitaldruck?
Bei DIN A4, vier Farben und einfachem Papier als Faustwert ab etwa 500 bis 1.000 Stück. Jede weitere Farbe und jedes größere Format verschieben die Schwelle nach oben.
Ab welcher Auflage lohnt sich Tiefdruck?
Unter 20.000 Stück ist er als Faustwert meist zu teuer. Wirtschaftlich wird er bei sehr hohen Auflagen mit unverändertem Inhalt, etwa bei Katalogen und Magazinen.
Was regelt DIN 16500?
Sie ordnet die klassischen Druckverfahren nach der Lage der druckenden Stellen in Hochdruck, Flachdruck, Tiefdruck und Durchdruck. Papierformate regelt DIN EN ISO 216.
Welche Nachweise sollte ich von der Druckerei verlangen?
Blauer Engel für Druckerzeugnisse oder Recyclingpapier, FSC- oder PEFC-Zertifikat, eine Papierangabe mit Sorte und Flächengewicht und bei farbkritischen Aufträgen den Standard, nach dem gedruckt wird, etwa PSO.



