Druckverfahren
Teil von Papier für Druck auswählen: Sorten, Gewichte und Einsatzbereiche
Gestrichenes oder ungestrichenes Papier für unterschiedliche Einsatzzwecke
Gestrichenes und ungestrichenes Papier im Vergleich: Oberfläche, Glanz, Opazität, Farbergebnis sowie Mehrpreise je 1.000 Bogen mit 19 Prozent Umsatzsteuer.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Gestrichenes Papier trägt eine Strichschicht aus Pigment und Bindemittel, die die Oberfläche schließt und Glanz erzeugt.
- Ungestrichenes Papier bleibt offenporig, saugt Farbe auf und wirkt bei gleichem Flächengewicht dicker.
- Bilderdruck verlangt glatte Oberflächen, Werkdruck und Naturpapier leben von Volumen und Saugfähigkeit.
- Der Mehrpreis gestrichener Ware liegt in der Beispielrechnung bei 50 Euro netto je 1000 Bogen, also 59,50 Euro mit 19 Prozent Umsatzsteuer.
- Opazität und Laufverhalten entscheiden bei beidseitigem Farbdruck stärker als der Glanz.
Oberfläche, Glanz und Opazität
Gestrichenes Papier bekommt im Werk eine Strichschicht aus Calciumcarbonat, Kaolin und Bindemittel. Diese Schicht schließt die Oberfläche, senkt die Rauheit und lässt die Farbe oben liegen. Ungestrichenes Papier bleibt offenporig: Die Fasern nehmen Farbe auf, das Ergebnis wirkt matter und weniger brillant.
| Merkmal | Gestrichenes Papier | Ungestrichenes Papier |
|---|---|---|
| Oberfläche | geschlossen und glatt | offenporig und rauer |
| Glanz | matt bis glänzend | matt |
| Opazität | geringer bei gleichem Gewicht | höher |
| Volumen | niedriger | höher |
| Preis | höher | niedriger |
Die Opazität hängt weniger am Strich als am Flächengewicht und am Faserstoff. Wer 90 g/m² gestrichen neben 80 g/m² ungestrichen legt, gewinnt Glanz und verliert Deckung. Bei beidseitigem Farbdruck scheint die Rückseite dann schneller durch.
Bilderdruck, Werkdruck und Naturpapier
Gestrichene Sorten heißen Bilderdruck, matt oder glänzend, mit 90 bis 300 g/m². Sie tragen Bildbände, Kataloge, Prospekte und Umschläge, weil Kontraste und Farbdichten dort sichtbar werden.
Ungestrichene Werkdruckpapiere mit 60 bis 90 g/m² sind für Romane, Formulare und Beipackzettel gedacht. Sie laufen im Rollenoffset und im Bogenoffset zuverlässig und bleiben auch bei dichter Typografie gut lesbar.
Naturpapiere liegen zwischen beiden Welten. Sie sind ungestrichen, aber glatter geleimt und teils farbig durchgefärbt. Für Geschäftsdrucksachen, Karten und Verpackungsbeilagen sind sie oft die passendere Wahl.
Für Umschläge mit Blindprägung oder Heißfolie ist stark gestrichene Ware ungeeignet, weil die Strichschicht unter Druck aufbricht. Ungestrichene Kartonqualitäten halten solche Veredelungen besser aus.
Wer Umweltnachweise einbezieht, prüft den Faseranteil der Sorte. Der Blaue Engel für Recyclingpapier führt die Anforderungen an Recyclingpapier auf.
Mehrpreise je 1000 Bogen: eine Beispielrechnung
Die Rechnung ist eine Beispielrechnung mit Richtwerten für Format 70 x 100 cm und 1000 Bogen. Sie ersetzt kein Angebot.
- Ungestrichenes Werkdruckpapier 80 g/m², holzfrei: 95 Euro netto.
- Ungestrichenes Naturpapier 120 g/m²: 130 Euro netto.
- Gestrichenes Bilderdruckpapier matt 135 g/m²: 145 Euro netto.
- Gestrichenes Bilderdruckpapier glänzend 150 g/m²: 160 Euro netto.
- Differenz matt zu Werkdruck: 50 Euro netto, mit 19 Prozent Umsatzsteuer 59,50 Euro brutto.
Auf Druckleistungen und Papierlieferungen entfällt in der Regel der Regelsteuersatz nach § 12 UStG. Bei 5000 Bogen wächst der Aufpreis in dieser Rechnung auf 250 Euro netto, also 297,50 Euro brutto. Ob die glänzendere Sorte den Aufpreis wert ist, hängt vom Motiv und von der Auflage ab.
Bedruckbarkeit und Farbergebnis
Gestrichene Oberflächen nehmen feine Rasterpunkte sauberer an und erlauben höhere Farbdichten. Sie trocknen langsamer, brechen an Bruchkanten leichter aus und reagieren empfindlich auf Feuchtigkeit im Tintenstrahldruck.
Ungestrichene Papiere sind robuster und günstiger, brauchen aber mehr Farbe für dieselbe Dichte. Im Laserdruck verlieren stark saugende Sorten an Schärfe, weil der Toner tiefer eindringt. Der Bogen muss also zum Verfahren passen, nicht nur zum Motiv.
Ein weiteres Risiko liegt in der Weiterverarbeitung. Gestrichene Ware neigt beim Falzen zu Rissen in der Strichschicht, ungestrichene Ware quillt bei Klebstoffen und Feuchte stärker. Beide Effekte zeigen sich oft erst nach dem Druck, wenn Nacharbeit teuer wird.
Angebote prüfen und Papierwahl dokumentieren
Papierpreise gelten meist nur für eine kurze Frist. Wer ein Angebot prüft, sollte die Bindungsfrist nach § 145 BGB festhalten.
Druckmuster und Alternativsorten gehören in die Auftragsunterlagen. Die Buchführungspflicht nach § 238 HGB verlangt nachvollziehbare Belege für Geschäftsvorfälle, dazu zählen auch Papierabsprachen und Nachträge.
Zwischen beiden Gruppen liegen leicht gestrichene Sorten für Magazine und Kataloge. Wer Auflage und Verarbeitungsweg kennt, kann dort Kosten und Wirkung ausgleichen.
Häufige Fragen
Ist gestrichenes Papier immer teurer?
Meist ja. Die Strichschicht kostet Pigment, Bindemittel und einen Arbeitsschritt. Ungestrichene Ware gleicher Fläche ist deshalb günstiger, bei gleichem Flächengewicht aber dünner.
Wann ist Bilderdruckpapier die richtige Wahl?
Wenn Fotos, Verläufe und feine Raster die Wirkung tragen und die Auflage hoch genug für eine stabile Kalkulation ist. Für textlastige Titel genügt Werkdruck.
Warum wirkt ungestrichenes Papier bei gleichem Gewicht dicker?
Weil die Fasern voluminöser bleiben und beim Satinieren weniger verdichtet werden. Der Bogen ist steifer, das Buch wirkt dicker.
Wie hoch ist der Mehrpreis je 1000 Bogen?
In der Beispielrechnung 50 Euro netto oder 59,50 Euro brutto für gestrichenes Bilderdruckpapier matt gegen ungestrichenes Werkdruckpapier. Die Werte schwanken mit Format, Grammatur und Bezugsmenge.
Ist gestrichenes Papier im Digitaldruck problematisch?
Nicht grundsätzlich. Empfindlich sind vor allem stark glänzende Beschichtungen und Toner, die auf glatten Oberflächen schlechter haften. Ein Probedruck klärt das vor der Auflage.