Druckverfahren
Teil von Druckverfahren auswählen im Vergleich von Offset, Digital, Sieb und Flexo
Digitaldruck oder Offsetdruck für welche Auflage?
Druckkosten vergleichen: Digitaldruck oder Offsetdruck für welche Auflage? Beispielrechnungen für 100, 1.000 und 5.000 Exemplare mit 19 % MwSt. und Rüstkosten.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Im Offsetdruck sinken die Stückkosten mit steigender Auflage deutlich stärker als im Digitaldruck.
- Nach der Modellrechnung unten liegt die Schwelle bei rund 340 Exemplaren.
- Rüstkosten entstehen im Offsetdruck für jede Druckform, im Digitaldruck nur für Aufbereitung und Kalibrierung.
- Format und Papier begrenzen den Digitaldruck, weil Toner und Tinte freigegebene Bedruckstoffe verlangen.
- Alle Beträge sind Beispielrechnungen und enthalten 19 Prozent Umsatzsteuer.
Wie die Auflagenhöhe den Preis bestimmt
Im Offsetdruck wird für jede Druckfarbe eine Platte belichtet und in das Farbwerk gespannt. Diese Arbeit fällt einmal je Auftrag an, unabhängig davon, wie viele Bogen danach durch die Maschine laufen. Ein beidseitig vierfarbig bedruckter Flyer braucht acht Platten und acht Einrichtvorgänge.
Der Digitaldruck kennt diesen Schritt nicht. Die Daten werden über einen RIP aufbereitet, das System kalibriert und ein Andruckbogen zur Kontrolle ausgegeben. Danach startet die Produktion. Die Fixkosten liegen deshalb bei wenigen Euro statt im dreistelligen Bereich.
Daraus entstehen zwei gegenläufige Verläufe: hohe Fixkosten und niedrige Stückkosten im Offsetdruck, geringe Rüstkosten und teurere Stückkosten im Digitaldruck. Die wirtschaftliche Grenze liegt dort, wo sich beide Verläufe schneiden, bei einfachen Akzidenzen meist zwischen 250 und 500 Exemplaren.
Beispielrechnung für 100, 1.000 und 5.000 Exemplare
Die folgende Rechnung ist ein Modell, kein Marktpreis. Kalkuliert wird ein A4-Flyer, beidseitig vierfarbig, 135 g/m² Bilderdruckpapier, ohne Falzung. Angesetzt sind 30,00 EUR Einrichtung plus 0,60 EUR je Exemplar im Digitaldruck sowie 180,00 EUR Einrichtung plus 0,16 EUR je Exemplar im Offsetdruck.
| Auflage | Digital netto | Digital brutto | Offset netto | Offset brutto |
|---|---|---|---|---|
| 100 Exemplare | 90,00 EUR | 107,10 EUR | 196,00 EUR | 233,24 EUR |
| 1.000 Exemplare | 630,00 EUR | 749,70 EUR | 340,00 EUR | 404,60 EUR |
| 5.000 Exemplare | 3.030,00 EUR | 3.605,70 EUR | 980,00 EUR | 1.166,20 EUR |
Die Schwelle liegt in diesem Modell bei rund 340 Exemplaren. Bei 100 Exemplaren kostet der Digitaldruck 107,10 EUR brutto, der Offsetdruck 233,24 EUR brutto. Ab 1.000 Exemplaren dreht sich das Verhältnis: 404,60 EUR brutto gegen 749,70 EUR brutto.
Bei 5.000 Exemplaren steht der Offsetdruck mit 1.166,20 EUR brutto mehr als dem Dreifachen des Digitaldrucks gegenüber. Die lineare Rechnung überschätzt den Offsetdruck bei kleinen Auflagen, weil Papier in großen Mengen günstiger eingekauft wird und die Makulaturquote sinkt. Die Trennung in Einrichtkosten und Stückkosten folgt der Kostengliederung, mit der der Bundesverband Druck und Medien (bvdm) die Kostenstrukturen der Branche erhebt.
Format und Papier als Ausschlusskriterien
Produktionsdrucker im Digitaldruck arbeiten meist bis zum Format SRA3 von etwa 320 auf 450 Millimeter, größere Bogen sind nur mit speziellen Systemen möglich. Im Bogenoffset sind Formate bis 70 auf 100 Zentimeter üblich, im Rollenoffset deutlich mehr. Wer ein Plakat in Übergröße braucht, landet fast zwangsläufig beim Offsetdruck.
Beim Papier ist die Auswahl im Digitaldruck kleiner. Toner wird bei rund 150 bis 200 Grad Celsius fixiert, Inkjet arbeitet mit Flüssigkeit, die der Bedruckstoff aufnehmen muss. Hersteller geben deshalb nur bestimmte Sorten für ihre Systeme frei. Im Offsetdruck lassen sich dagegen fast alle Papiersorten und Grammaturen bis über 400 g/m² verarbeiten.
Rüstkosten, Nachdrucke und Farbverbindlichkeit
Sonderfarben sind ein Offsetthema. Eine Hausfarbe als Pantone- oder HKS-Ton läuft in einem eigenen Farbwerk und lässt sich exakt reproduzieren. Im Digitaldruck entsteht sie als CMYK-Mischung und ist nicht farbverbindlich. Muss die Farbe auf den Punkt stimmen, bleibt nur der Offsetdruck.
Kleine Nachdrucke sprechen dagegen für den Digitaldruck. Für 50 zusätzliche Exemplare einer gedruckten Broschüre fallen im Offsetdruck erneut Plattenkosten an, im Digitaldruck nur der Grundpreis. Personalisierte Anschreiben und Versionen mit wechselnden Adressen oder Bildern lassen sich ohnehin nur digital wirtschaftlich verarbeiten.
Angebote vergleichen und Umsatzsteuer einordnen
Fragen Sie bei jeder Anfrage nach einer Aufstellung, die Einrichtung, Papier, Druck, Weiterverarbeitung und Versand getrennt ausweist. Nur so ist erkennbar, ob die Auflage, das Format oder eine Sonderfarbe den Preis treibt. Ein abgegebenes Angebot bindet den Anbieter nach § 145 BGB, deshalb gehört die Bindefrist in den Vergleich.
Auf Druckleistungen liegt in Deutschland der Regelsteuersatz von 19 Prozent, geregelt in § 12 Umsatzsteuergesetz. Für bestimmte Erzeugnisse wie Bücher und Zeitungen kann der ermäßigte Satz greifen. Kalkulieren Sie beide Verfahren zunächst netto und rechnen Sie die Umsatzsteuer erst am Ende dazu.
Jede Anfrage, jede Freigabe und jeder Rechnungsbetrag gehören nachvollziehbar in die Ablage, wie § 238 HGB es für Geschäftsvorfälle verlangt. Bei wiederkehrenden Auflagen hilft eine Übersicht mit Auflage, Verfahren, Stückpreis und Nachdruckkosten.
Häufige Fragen
Ab welcher Auflage ist Offsetdruck günstiger?
Bei einfachen Akzidenzen liegt die Schwelle nach dieser Beispielrechnung bei rund 340 Exemplaren. Bei mehrseitigen Broschüren mit Falzung und Bindung verschiebt sie sich oft auf 500 bis 1.000 Exemplare.
Warum sind die Stückkosten im Digitaldruck höher?
Toner oder Tinte, Druckkopfpflege, Personal und Maschinenstunde fallen je Exemplar an. Im Offsetdruck fertigt die Maschine mit hoher Bogenleistung, und das Papier wird in großen Mengen günstiger eingekauft.
Lassen sich Sonderfarben im Digitaldruck drucken?
Als CMYK-Simulation ja, verbindlich nein. Pantone- oder HKS-Töne werden aus vier Prozessfarben nachgebaut und weichen je nach System und Papier ab. Für Markenfarben mit exakter Vorgabe bleibt der Offsetdruck.
Wird die Weiterverarbeitung getrennt gerechnet?
In der Regel ja. Falzen, Heften, Klebebindung, Stanzen und Versand erscheinen als eigene Position, weil sie unabhängig vom Druckverfahren anfallen. Vergleichen Sie beide Angebote mit identischem Papier und identischen Arbeitsschritten.