Druckverfahren

Druckverfahren auswählen im Vergleich von Offset, Digital, Sieb und Flexo

Offset, Digital, Sieb und Flexo im Vergleich: Auflagen, Formate, Bedruckstoffe, Normen wie ISO 12647-2 und Beispielkosten je 1.000 Bogen mit 19 % MwSt.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Offsetdruck rechnet sich ab etwa 500 bis 1.000 Bogen, Digitaldruck bei kleinen Auflagen und kurzen Terminen.
  • Siebdruck deckt große Formate, dicke Farbschichten und Bedruckstoffe wie Folie, Glas oder Metall ab, Flexodruck trägt Verpackung, Etiketten und Wellpappe.
  • Farbziele setzt ISO 12647-2 für den Offsetdruck, für Sieb, Flexo und Digital gelten die Teile 5, 6 und 7 der Normenreihe.
  • Verglichen wird in Euro je 1.000 Bogen, netto und mit 19 Prozent Umsatzsteuer.
  • Angebote binden den Anbieter, deshalb gehören Auflage, Format, Bedruckstoff und Termin in die schriftliche Anfrage.

Vier Verfahren, vier Wirkprinzipien

Der Offsetdruck ist ein indirektes Flachdruckverfahren. Die Farbe wird von der Druckplatte auf ein Gummituch und von dort auf den Bogen übertragen. Für jede Farbe läuft ein eigenes Werk mit, im Bogenoffset sind vier Werke für Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz üblich. Sonderfarben brauchen ein zusätzliches Werk.

Platten, Einrichtung, Farbführung und Anlaufmakulatur verursachen einmalige Rüstkosten je Auftrag. Je höher die Auflage, desto geringer der Anteil dieser Kosten am einzelnen Bogen. Die gängigen Bogenformate reichen von B2 mit 500 x 707 mm bis B1 mit 707 x 1.000 mm und darüber hinaus.

Der Digitaldruck arbeitet ohne Druckform. Elektrofotografische Anlagen übertragen Toner, Inkjetsysteme setzen Tinte direkt auf den Bedruckstoff. Der Rüstaufwand bleibt sehr gering, die Stückkosten sind fast auflagenunabhängig. Format, Grammatur und Oberfläche des Bedruckstoffs begrenzen die Auswahl stärker als im Offsetdruck.

Beim Siebdruck wird die Farbe durch ein Gewebe gepresst, das pro Farbe eine Schablone trägt. Die Schichtdicke liegt zwischen etwa 6 und 100 Mikrometern und damit deutlich über der von Offset oder Digitaldruck. Das erlaubt deckende Farben auf Folie, Glas, Metall, Keramik oder Textil. Schon kleine Stückzahlen sind wirtschaftlich, weil die Schablone wenig kostet.

Flexodruck ist ein Hochdruckverfahren mit elastischen Fotopolymerplatten. Eine Rasterwalze dosiert die niedrigviskose Farbe, die von der Platte auf die laufende Bahn übertragen wird. Die Maschinen verarbeiten Rollenbreiten bis über 2.500 mm und erreichen hohe Produktionsgeschwindigkeiten. Typische Erzeugnisse sind Wellpappverpackungen, Etiketten, Folien und Tragetaschen.

Für alle vier Verfahren beginnt der Auftrag in der Vorstufe. Aus den Daten entstehen belichtete Platten im Offset und Flexo, Schablonen im Sieb oder ein Steuerdatensatz im Digitaldruck. Ein fehlender Farbraum oder eine fehlende Beschnittzugabe wirkt sich überall aus, nur kostet die Korrektur im Digitaldruck weniger Zeit.

Auflagen, Formate und Bedruckstoffe im Vergleich

Kriterium Offset Digital Sieb Flexo
wirtschaftliche Auflage 500 bis über 100.000 Bogen 1 bis rund 500, im Inkjet bis etwa 2.000 ab 1 bis mehrere 10.000 ab etwa 1.000, stark ab 10.000
Format Bogen bis B1 und größer A3+ und SRA3, Rollen bis rund 500 mm bis über 2.000 mm, auch Einzelstücke Rollenbreite bis über 2.500 mm
Bedruckstoff Papier, Karton, Pappe gestrichene, lasergeeignete Papiere Folie, Glas, Metall, Textil Wellpappe, Folie, Etikett, Tissue
Farbschicht dünn und genormt dünn bis mittel 6 bis 100 Mikrometer mittel
Rüstaufwand hoch sehr niedrig niedrig mittel bis hoch

Die Übergänge zwischen den Verfahren sind fließend. Ein Digitaldrucksystem mit Bogenbreiten über 500 mm verschiebt die Auflagenschwelle nach oben, ein Rollenoffset mit hoher Geschwindigkeit senkt sie. Entscheidend bleibt das Verhältnis von Rüstkosten zu Stückkosten im konkreten Auftrag.

Bei den Bedruckstoffen unterscheiden sich die Verfahren deutlich. Offsetdruck verlangt saugfähige, formstabile Materialien mit gleichmäßiger Oberfläche. Digitaldruck benötigt Papiere, die für Toner oder Tinte freigegeben sind, sonst leiden Haftung und Farbwiedergabe.

Siebdruck ist der flexibelste Weg für ungewöhnliche Untergründe, weil die Farbe mechanisch durch das Gewebe gedrückt wird. Flexodruck erreicht auf Wellpappe, Folie und Tissue hohe Geschwindigkeiten bei mittlerer Rasterfeinheit.

Auch der Formatnutzen zählt zum Vergleich. Im Bogenoffset fällt er aus dem Bogenformat, im Flexodruck aus der Rollenbreite. Eine Verpackung, die in B1 zweimal und in B2 nur einmal Platz findet, halbiert die Zahl der Druckbogen und damit die Einrichtekosten pro Stück.

Makulatur ist ein Kostenfaktor, der in Angeboten häufig fehlt. Im Offset fallen Anlaufbogen je Werk an, im Digitaldruck nur wenige Startbogen. Für die Kalkulation je 1.000 Bogen sollte die vereinbarte Makulatur ausdrücklich im Angebot stehen.

Sonderfarben erhöhen die Zahl der Werke und damit die Rüstkosten überproportional. HKS- oder Pantone-Töne lassen sich im Offset über ein Zusatzwerk, im Sieb- und Flexodruck über eine weitere Schablone oder Platte abbilden. Im Digitaldruck bleiben Volltöne auf Festton-Simulationen angewiesen.

Kosten je 1.000 Bogen: Beispielrechnung mit und ohne Umsatzsteuer

Die folgende Rechnung gilt für einen einheitlichen Auftrag: vierfarbig beidseitig, Daten als PDF/X-4, 300 g/m² gestrichener Bilderdruck, Lieferung frei Haus, ohne Sonderfarben und ohne Weiterverarbeitung. Die Werte sind gerundete Kalkulationsbeispiele und keine Angebote.

Verfahren und Auflage Netto je 1.000 Bogen Brutto je 1.000 Bogen bei 19 % MwSt.
Digitaldruck, 1.000 Bogen 390,00 EUR 464,10 EUR
Offsetdruck, 1.000 Bogen 780,00 EUR 928,20 EUR
Offsetdruck, 5.000 Bogen 230,00 EUR 273,70 EUR
Siebdruck, 1.000 Bogen 610,00 EUR 725,90 EUR
Flexodruck, 20.000 Bogen 165,00 EUR 196,35 EUR

Aus den beiden Offsetzeilen lassen sich Fixkosten von rund 690 EUR je Auftrag und variable Kosten von rund 93 EUR je 1.000 Bogen ableiten. Gegenüber dem Digitaldruck liegt die Gewinnschwelle damit bei rund 2.300 Bogen. Darunter ist der Digitaldruck günstiger, darüber der Offsetdruck.

Bei 1.000 Bogen kostet der Offsetdruck 780,00 EUR netto, also 928,20 EUR brutto, und damit fast doppelt so viel wie der Digitaldruck mit 464,10 EUR brutto. Bei 5.000 Bogen dreht sich das Bild: Der Auftrag liegt bei 1.150,00 EUR netto und 1.368,50 EUR brutto, das entspricht 230,00 EUR netto je 1.000 Bogen.

Für den Vergleich sollten alle Anbieter denselben Bezug wählen: 1.000, 5.000 und 20.000 Bogen, jeweils netto und brutto. Die Differenz zwischen den Staffelstufen zeigt, an welcher Stelle ein Verfahren seinen Kostenvorteil verliert.

Die Umsatzsteuer ist ein durchlaufender Posten und gehört nicht in den Kostenvergleich, wohl aber in die Bestellung. Welcher Satz greift, regelt § 12 UStG mit Regelsteuersatz und ermäßigtem Satz. Der Regelsteuersatz beträgt 19 Prozent, für begünstigte Druckwerke wie Bücher und Zeitungen gilt der ermäßigte Satz von 7 Prozent.

Diese Sätze setzt das deutsche Recht auf Grundlage der EU-weit harmonisierten Mehrwertsteuersystemrichtlinie um, die den ermäßigten Satz nur für bestimmte Lieferungen zulässt. Für gewerbliche Drucksachen bleibt deshalb der Regelsteuersatz maßgeblich.

Normen und Prozessstandards als Vergleichsmaßstab

Die Normenreihe ISO 12647 beschreibt Druckbedingungen für die einzelnen Verfahren. Teil 2 gilt für den Offsetdruck und legt Farbwerte, Tonwertzunahmen und Messbedingungen für Bogen und Rolle fest. Teil 5 behandelt den Siebdruck, Teil 6 den Flexodruck, Teil 7 Proof- und Validierungsdrucke.

Für den Offsetdruck hat sich der Prozessstandard Offsetdruck durchgesetzt, den Bundesverband Druck und Medien und Fogra gemeinsam pflegen. Er übersetzt ISO 12647-2 in Prüfmittel, Messanweisungen und Abläufe für die tägliche Produktion.

Praxisnah sind die Charakterisierungsdaten der Fogra: Fogra39 steht für gestrichene Papiere nach dem klassischen Prozessstandard, Fogra51 für PSO Coated v3 und Fogra52 für PSO Uncoated v3. Die v3-Datensätze bilden die aktuellen Referenzen im Offsetdruck ab.

Wer Angebote vergleicht, sollte dieselben Referenzdaten verlangen. Ein Auftrag nach Fogra39 ist nicht mit einem Druck nach Fogra51 gleichzusetzen, weil sich Farbumfang und Tonwertzunahme unterscheiden. Messungen nach ISO 13655 sorgen für vergleichbare Messwerte.

Auch die Prüfbedingungen gehören in den Vergleich. ISO 3664 legt die Beleuchtung für die visuelle Abmusterung fest, im Offset ist D50 am Abmusterungsplatz üblich. Wer unter Bürobeleuchtung abmustert, bewertet Farbe unter Bedingungen, die kein Verfahren erfüllt.

Für den Digitaldruck existiert mit ISO/TS 15311 eine eigene technische Spezifikation zur Qualitätsbewertung von Produktionsdrucken. Der Bundesverband Druck und Medien veröffentlicht zusätzlich Branchenkennzahlen und Betriebsvergleiche, mit denen sich Kostenstrukturen je Verfahrensgruppe einordnen lassen.

Bedruckstoffe, Recyclingpapier und Umweltnachweise

Papiere sind ein eigener Kostenblock und ein eigenes Qualitätskriterium. Für Recyclingpapier gelten die Vergabekriterien des Blauen Engels, die Anforderungen an Rohstoffe und Produktion festhalten. Wer Umweltnachweise im Lastenheft führt, sollte diese Kriterien vor der Ausschreibung prüfen.

Der Blaue Engel, FSC und PEFC messen Unterschiedliches. Der Blaue Engel bewertet das Produkt und seine Herstellung, FSC und PEFC bewerten die Herkunftskette des Holzes. Der Vergleich der Recyclingpapier-Kriterien hilft, die Nachweise richtig zu benennen.

Recyclingpapiere haben häufig einen geringeren Weißgrad und eine rauere Oberfläche als gestrichene Frischfaserpapiere. Das verändert den erreichbaren Farbumfang und die Tonerhaftung. Ein Musterdruck vor dem Serienlauf klärt, ob das Ergebnis den Anforderungen genügt.

Grammatur und Steifigkeit entscheiden über die Laufsicherheit. Sehr dünne oder sehr schwere Papiere schränken Digitaldrucksysteme ein, im Offset sind sie über Saug- und Bogenführung beherrschbar. Bei Wellpappe bleiben der Flexodirektdruck und der Offsetdruck auf kaschiertem Papier die gängigen Lösungen.

Angebote vergleichen und Aufträge dokumentieren

Eine Checkliste hält die Vergleichsparameter zusammen:

  • Auflage, Nutzen, Seiten und Formatmaße je Bogen
  • Bedruckstoff mit Grammatur, Oberfläche und Herkunftsnachweis
  • Farbziel mit Norm, Charakterisierungsdaten und Proof
  • Termin, Verpackung, Anlieferung und Palettenstellung
  • Preis je 1.000 Bogen netto und brutto, Makulatur und Nachauflagenpreis

So läuft die Beschaffung ab:

  1. Bedarf festhalten: Auflage, Endformat, Bedruckstoff und Endtermin.
  2. Kalkulationsgrenzen je Verfahren bestimmen: Fixkosten, variable Kosten und Gewinnschwelle.
  3. Angebote schriftlich einholen und alle Preise auf 1.000 Bogen normieren.
  4. Vergabe und Annahme schriftlich dokumentieren.

Ein Angebot bindet den Anbieter nach § 145 BGB an seinen Antrag, sofern er die Gebundenheit nicht ausdrücklich ausgeschlossen hat. Ein pauschaler Hinweis auf freibleibende Preise hebt diese Bindung auf.

Wie lange der Anbieter gebunden bleibt, beschreibt § 147 BGB zur Annahmefrist. Angebote unter Anwesenden sind sofort anzunehmen, schriftliche Angebote gelten bis zu dem Zeitpunkt, zu dem der Anfragende die Antwort erwarten darf.

Die Pflicht zur nachvollziehbaren Dokumentation aus § 238 HGB zur Buchführung erstreckt sich auch auf Druckaufträge. Anfrage, Angebot, Auftragsbestätigung und Rechnung sollten deshalb nach Auflage und Verfahren abgelegt werden.

Die Nachkalkulation schließt den Kreis. Wer je Auftrag Rüstkosten, Makulatur und Maschinenstunden erfasst, erkennt, ob die Auflagenschwelle im eigenen Haus richtig gesetzt ist.

Häufige Fragen

Ab welcher Auflage lohnt sich Offset statt Digital?

Im Beispiel liegt die Gewinnschwelle bei rund 2.300 Bogen. Sie verschiebt sich mit Format, Seitenzahl, Bedruckstoff und Sonderfarben. Zwischen 500 und 1.000 Bogen liegt der Digitaldruck in der Regel vorn.

Welche Norm gilt für den Digitaldruck?

Für die Bewertung von Produktionsdrucken dient ISO/TS 15311, für Proofs gilt ISO 12647-7. Ein so eng genormter Produktionsprozess wie im Offsetdruck ist für den Digitaldruck nicht in gleicher Tiefe festgelegt.

Warum weichen die Kosten je 1.000 Bogen so stark ab?

Weil Rüstkosten und Auflage zusammenwirken. Im Offset verteilen sich rund 690 EUR Fixkosten auf wenige Bogen. Im Digitaldruck ist der Rüstaufwand fast null, dafür bleibt der Preis je Bogen nahezu konstant.

Können Siebdruck und Flexodruck denselben Auftrag übernehmen?

Bei Etiketten und Folien ja. Der Siebdruck punktet mit hoher Deckkraft und großen Formaten, der Flexodruck mit hoher Auflage und breiten Rollen. Die Entscheidung fällt über Farbschicht, Auflage und Bedruckstoff.

Wie lange ist ein Druckereiangebot bindend?

Nach § 147 BGB muss ein Angebot unter Abwesenden innerhalb der Frist angenommen werden, die der Antragende erwarten darf. Wer Klarheit braucht, setzt eine Annahmefrist direkt in die Anfrage.

In diesem Leitfaden

  1. Digitaldruck oder Offsetdruck für welche Auflage?Druckkosten vergleichen: Digitaldruck oder Offsetdruck für welche Auflage? Beispielrechnungen für 100, 1.000 und 5.000 Exemplare mit 19 % MwSt. und Rüstkosten.
  2. Kosten von Druckverfahren mit Beispielrechnungen für Offset, Digital und SiebdruckKosten von Druckverfahren: Beispielrechnungen für Offset-, Digital- und Siebdruck mit Rüstkosten, Papierkosten, Stundensätzen, Netto, Brutto und MwSt.
  3. Checkliste für die Auswahl eines Druckverfahrens in fünf SchrittenCheckliste Druckverfahren auswählen: fünf Prüfschritte zu Auflage, Format, Bedruckstoff, Farbigkeit und Weiterverarbeitung, mit Normen, Fogra, bvdm, Tabelle.

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