Druckverfahren
Papier für Druck auswählen: Sorten, Gewichte und Einsatzbereiche
Papiersorten, Grammaturen von 80 bis 400 g/m², DIN-Formate, Einsatzbereiche und Beispielpreise je 1.000 Bogen für die Auswahl von Papier für Druck.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Papier für Druck wird über drei Größen festgelegt: Sorte, Flächengewicht und Format.
- Gängige Sorten sind ungestrichen, gestrichen, Recycling, Werkdruck, Bilderdruck und Karton.
- Die Grammaturen reichen von 80 g/m² für Textseiten bis 400 g/m² für Karten und Verpackungen.
- DIN EN ISO 216 regelt die A-Formate, Rohbogenformate wie 70 × 100 cm bestimmen Nutzen und Verschnitt.
- Beispielpreise je 1.000 Bogen liegen zwischen rund 90 Euro und 470 Euro inklusive 19 % MwSt.
Die wichtigsten Papiersorten und ihre Eigenschaften
Ungestrichenes Papier besteht aus Fasern, Füllstoffen und Hilfsmitteln, aber ohne Strichauflage. Die Druckfarbe dringt teilweise in die Faser ein, wodurch das Ergebnis matter wirkt. Für Textseiten, Formulare und Geschäftsdrucksachen sind 80 bis 120 g/m² üblich. Solche Sorten laufen zuverlässig in Laserdruckern, weil der Toner auf der offenen Oberfläche gut haftet.
Gestrichene Papiere tragen eine Strichauflage aus Pigmenten und Bindemitteln, meist Kaolin oder Calciumcarbonat. Die Farbe bleibt auf der Oberfläche liegen, Kontraste und Farbtiefe steigen, Fotografien wirken brillanter. Unterschieden werden glänzend, seidenmatt und matt. Gestrichene Sorten gibt es ab etwa 90 g/m², für Umschläge sind bis 350 g/m² möglich.
Neben der Oberfläche entscheidet der Faserstoff. Holzfrei heißt, dass der Zellstoff weitgehend von Lignin befreit ist. Solche Papiere vergilben langsam und eignen sich für langlebige Drucksachen. Holzhaltige Sorten sind günstiger, vergilben aber schneller, was bei Zeitungen und kurzlebigen Beilagen unproblematisch ist.
Werkdruckpapier ist ungestrichen und voluminös. Bei gleichem Flächengewicht ist es dicker als ein gestrichenes Papier, weshalb Bücher damit weniger Seiten stark wirken. Die Opazität ist hoch, sodass der Druck nicht durchscheint. Üblich sind 80 bis 100 g/m² für Romane und umfangreiche Broschüren.
Bilderdruckpapier ist gestrichen und holzfrei. Es trägt Bilder, Farbverläufe und großflächige Hintergründe, ohne dass die Faser stört. Glänzende Varianten mit 115 bis 170 g/m² kommen für Prospekte und Magazine infrage, matte Varianten für Geschäftsberichte.
Recyclingpapier wird überwiegend aus Altpapier hergestellt. Der Faserkreislauf senkt den Holz- und Frischwasserverbrauch. Die Oberfläche ist rauer als bei gestrichenen Sorten, Weißgrad und Farbwirkung weichen ab. Für Geschäftsdrucksachen und Auflagen mit Umweltbezug ist es die naheliegende Wahl.
Karton liegt meist zwischen 200 und 400 g/m² und wird ein- oder mehrlagig aufgebaut. Er dient für Umschläge, Karten, Mappen und Verpackungen. Ab etwa 250 g/m² muss vor dem Falzen gerillt werden, sonst bricht die Oberfläche an der Kante auf.
| Sorte | Flächengewicht | Oberfläche | Einsatzbereich |
|---|---|---|---|
| Ungestrichen holzfrei | 80 bis 120 g/m² | offen, saugfähig | Textseiten, Formulare, Geschäftsdrucksachen |
| Werkdruck | 70 bis 110 g/m² | ungestrichen, voluminös | Bücher, Broschüren, Beilagen |
| Bilderdruck gestrichen | 90 bis 170 g/m² | glänzend, seidenmatt oder matt | Prospekte, Magazine, Bildbände |
| Recyclingpapier | 80 bis 160 g/m² | offen oder gestrichen | Umweltberichte, Geschäftsdrucksachen |
| Karton | 200 bis 400 g/m² | ein- oder mehrlagig | Visitenkarten, Umschläge, Verpackungen |
Flächengewicht: was 80 bis 400 g/m² in der Praxis bedeuten
Das Flächengewicht gibt an, wie viel Gramm ein Quadratmeter des Papiers wiegt. Über die Dicke sagt es nichts aus, weil gestrichene und voluminöse Sorten bei gleicher Grammatur unterschiedlich stark ausfallen. Ein Bogen A4 mit 80 g/m² wiegt 5 Gramm, 1.000 Blatt also 5 Kilogramm.
Die üblichen Bereiche:
- 45 bis 70 g/m²: Zeitungsdruck und Buchblöcke mit geringem Volumen
- 80 bis 100 g/m²: Briefbogen, Rechnungen, Formulare, Textseiten
- 100 bis 170 g/m²: Flyer, Prospekte, Titelblätter
- 170 bis 250 g/m²: Umschläge, Karten, Einbände
- 250 bis 400 g/m²: Visitenkarten, Mappen, Verpackungen
Rohbogen werden nach Fläche und Gewicht abgerechnet. Ein Bogen im Format 70 × 100 cm misst 0,7 Quadratmeter, wiegt bei 80 g/m² also 56 Gramm und bei 400 g/m² genau 280 Gramm. Diese Rechnung ist die Grundlage jeder Bedarfsermittlung, weil Papierlieferungen nach Bogen oder nach Kilogramm abgerechnet werden.
Volumen und Steifigkeit hängen ebenfalls am Gewicht. Für Umschläge zählt weniger das Flächengewicht als die Biegesteifigkeit, weil der Umschlag im Regal stehen soll. Bei gefalzten Produkten entscheidet die Grammatur darüber, ob eine einfache Falzung reicht oder gerillt werden muss.
Für die Kalkulation ist die Umrechnung in Quadratmeter wichtig. 2.400 Bogen im Format 70 × 100 cm entsprechen 1.680 Quadratmetern, also rund 1,7 Tonnen Papier bei 90 g/m².
Formate und Rohbogen: DIN-Reihen im Kalkül
Die A-Formate sind in DIN EN ISO 216 genormt. Ausgangsformat ist A0 mit einem Quadratmeter Fläche und einem Seitenverhältnis von 1 zu Wurzel 2. Beim Halbieren bleibt dieses Verhältnis erhalten. Daraus folgen A4 mit 210 × 297 mm, A3 mit 297 × 420 mm, A2 mit 420 × 594 mm und A1 mit 594 × 841 mm.
Umschläge werden über die C-Reihe nach DIN EN ISO 269 zugeordnet, etwa C4 mit 229 × 324 mm für A4-Bögen. Für die Produktion zählen zusätzlich die Rohbogenformate der Papierfabriken: 70 × 100 cm, 64 × 90 cm, 50 × 70 cm und 45 × 64 cm. Die Bogenbreite bestimmt, wie viele Nutzen darauf Platz finden.
Aus einem Bogen 70 × 100 cm lassen sich rechnerisch neun A4-Nutzen gewinnen. In der Praxis bleiben meist acht, weil Beschnitt, Passermarken und Greiferrand Platz benötigen. Wer Falz oder Beschnittzugabe einplant, verliert weitere Nutzen. Die Wahl des Rohbogens entscheidet damit direkt über Papierkosten und Verschnitt.
Eine Nutzenberechnung gehört deshalb vor die Angebotsanfrage. Sie zeigt, ob eine andere Bogenbreite günstiger ist und welche Grammatur sich mit der geplanten Weiterverarbeitung verträgt. Kleine Änderungen am Endformat können den Papierbedarf spürbar senken.
Einsatzbereiche: welches Papier wofür
Die Wahl der Sorte folgt aus Nutzung und Herstellungsweg. Ein Produkt, das gefalzt, geklebt und lange benutzt wird, braucht mehr Steifigkeit als ein Beileger. Wer im Digitaldruck produziert, prüft zusätzlich, welche Grammatur die Maschine des Dienstleisters verarbeitet.
- Briefbogen, Rechnungen, Formulare: ungestrichene Sorten mit 80 bis 100 g/m², lasertauglich
- Flyer und Prospekte: Bilderdruck gestrichen mit 115 bis 170 g/m²
- Bücher und umfangreiche Broschüren: Werkdruck mit 80 bis 100 g/m² und hoher Opazität
- Geschäftsberichte und Imagebroschüren: Bilderdruck matt mit 150 g/m², Umschlag aus 300 g/m² Karton
- Visitenkarten, Mappen, Verpackungen: Karton mit 250 bis 400 g/m²
Für die Kalkulation von Zuschlägen lohnt der Blick in die Hinweise des Bundesverbands Druck und Medien (bvdm). Kennzahlen zu Sorten, Produktionsmengen und Verbrauch veröffentlicht der Verband Deutscher Papierfabriken (VDP) in seiner jährlichen Statistik. Beide Quellen helfen, Bedarf und Einkaufspreis realistisch zu schätzen.
Laufrichtung, Klima und Weiterverarbeitung
Papier wird in der Siebpartie der Papiermaschine entwässert. Die Fasern richten sich dabei überwiegend in Maschinenrichtung aus, die als Laufrichtung bezeichnet wird. Quer zur Faserrichtung dehnt sich Papier stärker und wellt eher. Falze und Rillen sollten deshalb parallel zur Laufrichtung liegen.
Wird quer zur Laufrichtung gefalzt, brechen gestrichene Sorten an der Bruchkante auf. Die Laufrichtung lässt sich an einem Probebogen prüfen: Beim Einreißen in Faserrichtung verläuft die Kante gerade, quer dazu franst sie aus. Solche Tests gehören vor die Freigabe der Auflage.
Papier nimmt Feuchtigkeit aus der Umgebung auf und gibt sie wieder ab. Vor dem Druck sollte es im Maschinenraum akklimatisiert werden, üblich sind etwa 23 Grad Celsius und 50 Prozent relative Luftfeuchte. Sonst kommt es zu Wellen, Registerfehlern und Passerdifferenzen.
Die Weiterverarbeitung stellt eigene Anforderungen. Klebebindungen vertragen im Block Grammaturen bis etwa 170 g/m² gut, dickere Blöcke benötigen steiferen Rückenleim. Beim Stanzen und Prägen wirkt die Oberfläche: glatte, gestrichene Sorten nehmen Heißfolie gleichmäßiger an als offene Recyclingpapiere.
Beispielrechnung: Papierpreise je 1.000 Bogen
Für die Vorkalkulation hilft ein Blick auf marktübliche Größenordnungen. Die folgende Tabelle nennt Beispielwerte für 1.000 Bogen im Format 70 × 100 cm, inklusive 19 % MwSt. und ohne Lieferung. Es handelt sich um Beispielrechnungen, nicht um Angebote.
| Sorte und Gewicht | Beispielpreis je 1.000 Bogen |
|---|---|
| Recyclingpapier, 80 g/m² | 95 Euro |
| Werkdruckpapier, 80 g/m² | 90 Euro |
| Ungestrichen holzfrei, 90 g/m² | 105 Euro |
| Bilderdruck matt, 115 g/m² | 130 Euro |
| Bilderdruck glänzend, 150 g/m² | 165 Euro |
| Karton, 300 g/m² | 325 Euro |
| Karton, 400 g/m² | 470 Euro |
Der Regelsteuersatz beträgt 19 Prozent, für Bücher, Zeitungen und bestimmte Zeitschriften gilt der ermäßigte Satz von 7 Prozent. Maßgeblich ist § 12 UStG. Wer Papier und Druck getrennt ausweist, kann die Steuerlast je Position prüfen.
Für 20.000 A4-Flyer auf ungestrichenem Papier mit 90 g/m² ergeben sich bei neun Nutzen je Bogen und fünf Prozent Zuschlag 2.400 Bogen. Bei 105 Euro je 1.000 Bogen kostet das Papier damit 252 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Die Druckkosten kommen hinzu und liegen je nach Verfahren meist über dem Papieranteil.
Staffelpreise greifen häufig ab 5.000, 10.000 und 25.000 Bogen. Wer den Bedarf mehrerer Kampagnen bündelt, erreicht eine günstigere Preisstufe und lagert Papier auf Vorrat. Dabei ist zu bedenken, dass Papier bei falscher Lagerung Feuchtigkeit zieht und sich wölbt.
Umweltnachweise für Recyclingpapier
Recyclingpapier trägt verschiedene Nachweise. Der Blaue Engel der RAL gGmbH ist ein Umweltzeichen der Bundesregierung und verlangt einen hohen Altpapieranteil sowie Grenzwerte für Schadstoffe und Energieverbrauch. Die Vergabekriterien des Blauen Engels für Recyclingpapier legen fest, welche Anforderungen eine Sorte erfüllen muss.
FSC und PEFC zertifizieren dagegen die Herkunft der Fasern aus Forstwirtschaft. Sie sagen nichts über den Altpapieranteil aus. Für Ausschreibungen lohnt es, den Nachweis schon in der Leistungsbeschreibung zu verlangen, weil die Beschaffung sonst schwer nachvollziehbar bleibt.
Angebote vergleichen und Aufträge dokumentieren
Bei der Papierbeschaffung sind drei Punkte zu klären: Sorte und Grammatur, Format und Nutzen, Liefertermin. Wer Angebote vergleicht, sollte Papier, Druck, Weiterverarbeitung und Versand getrennt ausweisen lassen. So bleiben Preisunterschiede erklärbar.
- Bedarf und Nutzen klären: Auflage, Nutzen je Rohbogen und ein Zuschlag von drei bis fünf Prozent für Einrichtung und Makulatur.
- Sorte festlegen und Muster anfordern: Grammatur, Oberfläche, Weißgrad, Volumen und Laufrichtung prüfen, dazu einen Andruck auf der geplanten Maschine vereinbaren.
- Angebote schriftlich einholen. Ein Angebot bindet den Anbieter nach § 145 BGB an die darin genannte Frist, solange diese nicht ausgeschlossen wurde.
- Bestellung auslösen und Frist beachten. Die Annahme muss rechtzeitig zugehen, sonst erlischt die Bindung nach § 147 BGB. Liefertermin und Papiercharge gehören in den Auftrag.
- Auftrag dokumentieren. Lieferschein, Papierbezeichnung, Grammatur und Chargennummer werden abgelegt, weil die Buchführung nach § 238 HGB nachvollziehbar sein muss.
Häufige Fragen
Welches Papier eignet sich für Visitenkarten?
Visitenkarten werden üblicherweise auf Karton mit 300 bis 400 g/m² gedruckt. Glatte, gestrichene Oberflächen wirken hochwertig, ungestrichene Sorten nehmen Prägung und Handschrift besser an. Im Digitaldruck ist zu prüfen, ob die Maschine diese Grammatur verarbeitet.
Was kostet Papier für 1.000 Bogen?
Für ungestrichene Sorten mit 80 bis 90 g/m² liegen die Beispielpreise bei 90 bis 105 Euro je 1.000 Bogen im Format 70 × 100 cm inklusive 19 % MwSt. Gestrichene Bilderdruckpapiere kosten 130 bis 165 Euro, Karton mit 300 bis 400 g/m² etwa 325 bis 470 Euro.
Wie berechne ich den Papierbedarf?
Bedarf ist die Auflage geteilt durch die Nutzen je Bogen, plus drei bis fünf Prozent Zuschlag für Einrichtung und Makulatur. Das Ergebnis wird auf handelsübliche Packungen aufgerundet, meist 250er-Pakete oder Paletten mit 1.000 Bogen.
Muss Recyclingpapier anders verarbeitet werden?
Recyclingpapier ist saugfähiger und rauer. Im Offsetdruck braucht es tendenziell mehr Farbe, im Digitaldruck höhere Fixiertemperaturen. Vor der Auflage hilft ein Andruck, um Farbabnahme und Laufverhalten zu prüfen.
In diesem Leitfaden
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