Weiterverarbeitung

Teil von Weiterverarbeitung von Druckerzeugnissen: Falzen, Binden, Veredeln

Veredelung im Druck: Lackieren, Prägen, Stanzen und Folieren

Veredelung im Druck: UV-Lack, Dispersionslack, Heiß- und Kaltfolienprägung, Blindprägung, Stanzen und Folieren mit Einsatzbereichen und Beispielkosten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Sieben Verfahren stehen zur Wahl: Dispersionslack, UV-Lack, Heißfolienprägung, Kaltfolienprägung, Blindprägung, Stanzen und Folieren.
  • Lack schützt und glänzt, Prägen erzeugt Metallic- oder Reliefeffekte, Stanzen schafft Formate, Folieren macht Oberflächen unempfindlich.
  • Beispielkosten je 1.000 Bogen DIN A4: 41,65 Euro brutto für Dispersionslack, 261,80 Euro brutto für Heißfolienprägung.
  • Technische Hinweise zu Lackhaftung und Weiterverarbeitung geben die Technischen Merkblätter des Bundesverbandes Druck und Medien (bvdm) und die Forschungsberichte der Fogra.

Lackieren: Dispersionslack und UV-Lack

Dispersionslack ist ein wässriger Lack, der im Offsetdruck inline über das Lackwerk aufgetragen wird. Er trocknet physikalisch und lässt sich vollflächig oder partiell einsetzen. Typische Bedruckstoffe sind gestrichene Papiere, ungestrichene Papiere und Recyclingpapiere.

Der Vorteil liegt in der schnellen Verarbeitung und den geringen Kosten. Der Nachteil: Der Glanz bleibt deutlich hinter UV-Lack zurück, und eine Heißfolienprägung auf Dispersionslack hält schlecht.

UV-Lack härtet unter UV-Strahlung aus und liefert Hochglanz, Strukturlack oder Mattglanz-Effekte. Der Auftrag erfolgt inline oder offline, oft partiell über eine Lackplatte. Er haftet auf gestrichenen Papieren, Karton und Kunststofffolien.

Vorteil: hohe Kratz- und Chemikalienbeständigkeit sowie brillante Oberflächen. Nachteil: höhere Kosten und ein zusätzlicher Arbeitsgang. Stark glänzende Flächen lassen sich zudem schlecht beschriften oder überkleben.

Prägen mit und ohne Folie

Heißfolienprägung überträgt mit einer beheizten Prägeform eine Folie auf den Bedruckstoff. Einsatzbereiche sind Geschäftsberichte, Einladungen, Verpackungen und Etiketten. Geeignet sind glatte, gestrichene Papiere und Karton. Vorteil: kräftiger Metallicglanz in Gold, Silber oder Sonderfarben. Nachteil: eine eigene Prägeform ist nötig, feine Folien verkratzen leicht.

Die Kaltfolienprägung läuft inline im Offsetdruck. Ein Kleber wird gedruckt, die Folie im Kaltfolienwerk übertragen und der Trägerfilm später abgezogen. Wirtschaftlich ist das Verfahren bei größeren Auflagen und feinen Motiven. Der Glanz bleibt matter als bei Heißfolie, deshalb schützt meist eine Lackierung die Fläche.

Die Blindprägung arbeitet ohne Farbe und ohne Folie. Eine Matrize drückt ein Relief in den Bedruckstoff, sichtbar durch Licht und Schatten. Beliebt ist sie für Urkunden, Banderolen, Buchcover und strukturierte Kartonagen. Nachteil: Bei flachem Licht ist der Effekt kaum zu erkennen.

Stanzen und Folieren

Stanzen trennt oder ritzt den Bogen entlang einer Stanzform. Daraus entstehen Klappen, Aufsteller, Sonderformate und Verpackungen. Werkzeuge sind Flachbett- oder Rotationsstanzen, die Form wird pro Motiv gebaut. Vorteil: exakte Konturen, kombinierbar mit Rillen und Perforationen. Nachteil: Formkosten von mehreren hundert Euro, die sich erst bei größeren Auflagen rechnen.

Beim Folieren wird eine transparente oder matte Kaschierfolie auf den Bogen aufgebracht. Unterschieden werden Zellglasfolie für den Sofortschutz und UV-stabile Folien für langlebige Produkte. Einsatzbereiche sind Umschläge, Karten, Menükarten und Verpackungen. Vorteil: Schutz gegen Abrieb, Feuchtigkeit und Fingerabdrücke. Nachteil: Für das Recycling müssen Papier und Kunststoff getrennt werden.

Beispielkosten je 1.000 Bogen

Die Beispielrechnung gilt für 1.000 Bogen DIN A4, einseitig, bei einer Auflage von 5.000 Stück. Format, Auflage und Bedruckstoff verschieben die Werte deutlich.

Verfahren Einsatzbereich Netto je 1.000 Bogen Brutto (19 % MwSt.)
Dispersionslack, vollflächig Prospekte, Beilagen 35,00 Euro 41,65 Euro
UV-Lack, partiell Kataloge, Karten 120,00 Euro 142,80 Euro
Heißfolienprägung Verpackungen, Einladungen 220,00 Euro 261,80 Euro
Kaltfolienprägung Etiketten, Beipackzettel 140,00 Euro 166,60 Euro
Blindprägung Urkunden, Banderolen 95,00 Euro 113,05 Euro
Stanzen Aufsteller, Klappen 110,00 Euro 130,90 Euro
Folieren, einseitig Umschläge, Menükarten 55,00 Euro 65,45 Euro

Ein Auftrag über 20.000 Bogen mit partiellem UV-Lack kostet 20 mal 142,80 Euro, also 2.856,00 Euro brutto. Eine Stanzform kommt einmalig hinzu, je nach Motiv meist 300,00 bis 600,00 Euro brutto. Den Regelsteuersatz von 19 Prozent regelt § 12 UStG zum Umsatzsteuersatz.

Veredelung ausschreiben und dokumentieren

  1. Bedruckstoff und Auflage festlegen, danach die Eignung für Lack, Folie und Prägung klären.
  2. Reihenfolge planen: Druck, Lack, Prägung, Folierung, Stanzen, Kleben.
  3. Muster auf dem endgültigen Papier anfordern, mit allen Veredelungsstufen.
  4. Angebot schriftlich einholen und die Bindungsfrist beachten, die § 145 BGB zur Bindung an das Angebot regelt.
  5. Auftragsbestätigung und Freigabemuster ablegen, wie § 238 HGB zur Buchführungspflicht es für Geschäftsvorfälle verlangt.

Häufige Fragen

Welche Veredelung eignet sich für Recyclingpapier?

Dispersionslack und Blindprägung, weil sie ohne Folie auskommen. UV-Lack und Heißfolie brauchen eine glatte, geschlossene Oberfläche und halten auf rauen Recyclingpapieren schlechter.

Was kostet eine Stanzform?

Je nach Format und Motiv meist 300,00 bis 600,00 Euro brutto, einmalig. Bei Nachauflagen lässt sich dieselbe Form wiederverwenden.

Ist Folieren recyclingfähig?

Nur eingeschränkt. Kaschierte Bögen gehören nicht ins Altpapier. Wer recyclingfähig bleiben will, wählt Lack statt Folie.

Kann man Lack und Folie kombinieren?

Ja. Üblich ist partieller UV-Lack über einer Kaltfolie. Die Reihenfolge gibt die Druckerei vor, weil die Lackhaftung auf der Folie geprüft werden muss.

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