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Weiterverarbeitung

Weiterverarbeitung von Druckerzeugnissen: Falzen, Binden, Veredeln

Weiterverarbeitung von Druckerzeugnissen: Falzen, Binden, Veredeln mit Kosten je 1.000 Exemplare, Normen von DIN, Fogra und bvdm sowie Kriterien für die Vergabe.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Weiterverarbeitung von Druckerzeugnissen umfasst Falzen, Schneiden, Zusammentragen, Heften, Klebebinden, Fadenheftung, Lackieren, Prägen, Stanzen und Folieren.
  • Die Bindeart verursacht den größten Kostenblock und muss vor der Druckfreigabe feststehen.
  • Für Auflagen bis 1.000 Exemplare sind Rückendrahtheftung und Klebebindung meist wirtschaftlicher als Fadenheftung mit Deckenband.
  • DIN EN ISO 16763 beschreibt buchbinderische Fertigprodukte, DIN EN 1010 die Maschinensicherheit, der Prozessstandard Offsetdruck baut auf DIN EN ISO 12647-2 auf.
  • Veredelungen werden je 1.000 Exemplare abgerechnet und kosten netto zwischen 70,00 und 260,00 Euro.

Verfahren und ihre typischen Einsatzbereiche

Die Weiterverarbeitung von Druckerzeugnissen beginnt beim Planobogen aus der Druckmaschine und endet bei der versandfertigen Palette. Jeder Schritt verändert Format, Haptik und Lebensdauer. Für die Auswahl zählen drei Größen: geplante Nutzungsdauer, Auflagenhöhe und Budget.

Verfahren, Einsatz und Maschinen

Verfahren

Falzen, Zusammentragen
Broschüren, Prospekte
Schneiden
Planobogen, Endformat
Heften, Klebebinden
Magazine, Kataloge
Fadenheftung, Hardcover
Jahrbücher, Bildbände
Lackieren, Prägen, Stanzen
Umschläge, Karten

Einsatz

Falzen, Zusammentragen
Taschenfalzmaschine
Schneiden
Stapelschneider
Heften, Klebebinden
Sammelhefter
Fadenheftung, Hardcover
Fadenheftmaschine
Lackieren, Prägen, Stanzen
Prägepresse, Stanze

Maschine

Falzen, Zusammentragen
Schneiden
Heften, Klebebinden
Fadenheftung, Hardcover
Lackieren, Prägen, Stanzen

Verfahren und Einsatzbereiche

VerfahrenTypischer EinsatzÜbliche Maschine
Falzen und ZusammentragenBroschüren, Prospekte, BeilagenTaschenfalzmaschine, Schwertfalzmaschine
SchneidenPlanobogen, Endformat, DreiseitenschnittStapelschneider, Kreismesser
Heften und KlebebindenMagazine, Kataloge, TaschenbücherSammelhefter, Klebebindemaschine
Fadenheftung und HardcoverJahrbücher, Bibliotheksbände, BildbändeFadenheftmaschine, Buchfertigungsstraße
Lackieren, Prägen, Stanzen, FolierenUmschläge, Karten, VerpackungenLackierwerk, Prägepresse, Flachbettstanze, Kaschieranlage

Falz- und Schneidearbeiten sind Mengenarbeit und laufen überwiegend automatisiert. Binden und Veredeln enthalten dagegen Rüst- und Handanteile. Genau dort entstehen die Preisunterschiede zwischen Angeboten, die auf den ersten Blick gleich aussehen.

Falzen, Schneiden, Zusammentragen

Taschenfalzmaschinen erzeugen Kreuzbruch, Wickelfalz, Zickzackfalz und Altarfalz. Schwertfalzmaschinen arbeiten langsamer, halten aber dicke Papiere formatstabil. Entscheidend ist die Falzsymmetrie. Liegt die Falzkante außerhalb der Toleranz, wandert der Beschnitt und der Bund wird sichtbar.

Vom Bogen zum beschnittenen Produkt

  1. Planobogen aus der Druckmaschine
  2. Falzen mit Taschen- oder Schwertfalzmaschine
  3. Zusammentragen der gefalzten Bogen
  4. Dreiseitenschnitt auf Endformat
  5. Beschnittzugabe drei Millimeter je Kante

Papierlaufrichtung und Falzrichtung müssen zusammenpassen. Ab etwa 135 g/m² bricht der Falz auf, wenn gegen die Faserrichtung gefalzt wird. Ein vorgeschalteter Rillvorgang schafft Abhilfe.

Nach dem Falzen folgt das Zusammentragen, danach der Beschnitt. Der Dreiseitenschnitt entfernt den Rand, der durch Falzung und Bindung entsteht. Die Endformate richten sich nach DIN EN ISO 216, allen voran DIN A4 als Ausgangsgröße für Prospekte und Geschäftsdrucksachen.

Die Beschnittzugabe wird bereits in der Druckdatei angelegt, üblich sind drei Millimeter an jeder Außenkante. Fehlt sie, kann die Falzmaschine nicht sauber auf Nutzen gefalzt werden. Bei mehrnutzigem Druck entscheidet die Nutzenanordnung darüber, ob der nachfolgende Schnitt wirtschaftlich bleibt.

Binden und Heften: die Bindeart folgt dem Nutzen

Rückendrahtheftung ist die wirtschaftlichste Bindung für Broschüren. Ein Sammelhefter verarbeitet bis etwa 48 Seiten bei 80 g/m², bei kräftigeren Papieren entsprechend weniger. Draht in der Mitte ist bei hoher Auflage und kurzer Nutzungsdauer die naheliegende Wahl.

Welche Bindeart passt?

Nutzungsdauer kurz und Auflage bis 1.000?

Ja

Ja -> Rückendrahtheftung oder Klebebindung

Nein

Nein -> Fadenheftung mit Deckenband prüfen

Klebebinden lohnt sich ab etwa 40 Seiten und überall dort, wo das Produkt im Regal bestehen muss. Kaltleim ist günstig, PUR-Klebstoff hält auf gestrichenen und lackierten Oberflächen deutlich besser. Bei schweren Papieren ist PUR die sichere Variante.

Fadenheftung kostet ein Mehrfaches und hält Jahrzehnte. Sie passt zu Bibliotheksbänden, Jahrbüchern und Werken, die häufig aufgeschlagen werden. Zusammen mit einem Deckenband ergibt sie die stabilste Form.

Spiralbindung, Ringösen und Wire-O öffnen flach und eignen sich für Handbücher, Kalender und Ringbücher. Mechanisch sind sie empfindlicher als eine Klebebindung.

Als Entscheidungsregel gilt: Bis 1.000 Exemplare und kurze Nutzungsdauer führt an Heftung oder Klebebindung kaum ein Weg vorbei. Erst wenn das Produkt über Jahre genutzt wird oder Archivcharakter hat, rechtfertigt die Fadenheftung ihren Aufpreis.

Lackieren, Prägen, Stanzen, Folieren

Dispersionslack wird inline aufgetragen und schützt vor Abrieb und Fingerabdrücken. UV-Lack ist kratzfester und glänzender, kostet aber deutlich mehr. Als Spotlack hebt er einzelne Motive hervor und wird im Offsetdruck über eine Lackform aufgetragen.

Beim Prägen unterscheidet man Blindprägung, Heißfolienprägung und Reliefprägung. Jede Variante braucht eine Prägeform und eine Gegendruckform. Diese Werkzeugkosten verteilen sich erst bei größeren Auflagen auf viele Exemplare.

Stanzen kommt als Flachbett- oder Rotationsstanze zum Einsatz. Typisch sind Sichtfenster, Sonderformate und Verpackungen aus Karton. Das Stanzwerkzeug bleibt Einmalkosten und wird über die Auflage umgelegt.

Beim Folieren wird einseitig oder beidseitig kaschiert, mit Glanz, Matt oder Softtouch als Ergebnis. Anders als Lack entsteht ein Materialverbund, der die Altpapierverwertung erschwert. Wer Papier nach Umweltkriterien einkauft, findet die Kriterien des Blauen Engels für Recyclingpapier als Orientierung für die Kombination aus Papierwahl und Veredelung.

Beispielkosten je 1.000 Exemplare

Die Weiterverarbeitung wird nach Mengen je 1.000 Exemplare oder je 1.000 Bogen kalkuliert. Die folgende Übersicht nennt Orientierungswerte aus der Auftragspraxis. Sie ersetzt keine Preisliste, taugt aber als Prüfrahmen für Angebote.

LeistungBezugNettoBrutto mit 19 % MwSt.
Falzen1.000 Bogen, bis Format A490,00 Euro107,10 Euro
Schneiden (Dreiseitenschnitt)1.000 Exemplare40,00 Euro47,60 Euro
Zusammentragen und Heften (Rückendraht)1.000 Exemplare130,00 Euro154,70 Euro
Klebebinden mit PUR1.000 Exemplare380,00 Euro452,20 Euro
Dispersionslack1.000 Bogen, bis Format A395,00 Euro113,05 Euro
UV-Spotlack1.000 Bogen260,00 Euro309,40 Euro
Heißfolienprägung1.000 Exemplare, Motiv bis 30 cm²180,00 Euro214,20 Euro
Stanzen mit Flachbettwerkzeug1.000 Exemplare210,00 Euro249,90 Euro
Beidseitige Zellglasfolierung1.000 Exemplare70,00 Euro83,30 Euro

Kosten je 1.000 Exemplare netto

  • Schneiden, drei Schnitte40,00 €
  • Falzen, Kreuzbruch90,00 €
  • Zusammentragen und Heftung130,00 €
  • Klebebinden mit PUR380,00 €
  • Fadenheftung mit Deckenband2.070,00 €

Der Regelsteuersatz von 19 Prozent ergibt sich aus § 12 UStG. Beim Angebotsvergleich wird netto gerechnet und die Umsatzsteuer getrennt ausgewiesen.

Eine Modellrechnung für eine 16-seitige A4-Broschüre mit 4/4-farbigem Umschlag und 1.000 Exemplaren: 90,00 Euro Falzen, 40,00 Euro Beschnitt, 130,00 Euro Zusammentragen und Rückendrahtheftung, 60,00 Euro Dispersionslack auf dem Umschlag. Das ergibt 320,00 Euro netto und 380,80 Euro brutto, also 0,38 Euro brutto je Exemplar. Bei 5.000 Exemplaren sinkt der Stückanteil, weil Rüstzeiten nur einmal anfallen.

Für die eigene Kalkulation ist die Zerlegung in Rüstkosten und Fortdruckkosten entscheidend. Rüstkosten bleiben unabhängig von der Auflage, Fortdruckkosten wachsen linear. Deshalb verbilligt sich jede zusätzliche Auflage deutlich langsamer als erwartet, wenn Veredelungsschritte mit Werkzeugen beteiligt sind.

Normen und Prüfmittel von DIN, Fogra und bvdm

Für buchbinderische Fertigprodukte gilt DIN EN ISO 16763. Sie definiert Begriffe und Qualitätsmerkmale für Bücher, Broschüren und Blöcke und eignet sich als Prüfgrundlage für Falz, Bindung und Beschnitt.

DIN EN 1010 regelt die Sicherheit von Druck- und Papierverarbeitungsmaschinen, von der Falzmaschine bis zum Stapelschneider. Für Betreiber ist sie die Basis der Gefährdungsbeurteilung.

Der Prozessstandard Offsetdruck baut auf DIN EN ISO 12647-2 auf. Die Fogra veröffentlicht dazu Prüfmittel und Charakterisierungsdaten, etwa Fogra 51 und Fogra 52 für gestrichene und ungestrichene Papiere. Farbverbindliche Proofs sichern die Abstimmung zwischen Druck und Veredelung.

Der bvdm stellt mit der Standardkalkulation ein Rechenmodell für Druck- und Medienbetriebe bereit. Damit lassen sich Angebote in Rüst-, Fortdruck- und Materialanteile zerlegen. Das ist der praktikabelste Weg, zwei Angebote zu vergleichen.

Einkauf und Auftragsvergabe: worauf es ankommt

Eine vollständige Anfrage enthält fünf Angaben:

Einkauf und Auftragsvergabe

  1. Format und Seitenumfang
  2. Papier und Grammatur
  3. Auflage
  4. Bindeart und Veredelung
  5. Verpackung und Termin

Angaben für eine vollständige Anfrage

  • Format offen und beschnitten
  • Seitenumfang, Papier, Grammatur
  • Auflage, Nachdruckoption, Verpackung
  • Bindeart passend zu Seiten und Papier
  • Veredelung mit Position, Fläche, Muster
  • Termine mit Zwischenfreigaben

Ein Antrag bindet den Antragenden nach § 145 BGB. Die Prüfung eines Angebots darf deshalb nicht beliebig lange dauern, denn die Annahme muss innerhalb der üblichen Frist erklärt werden. Aufbewahrungspflichten nennt § 238 HGB.

Vor dem Start gehören Muster, Proof und Andruck in die Auftragsakte. Abweichungen bei Farbton, Falzlage oder Bindequalität werden dort festgehalten, ebenso Verpackungsart, Palettenhöhe und Teillieferungen. Reklamationen lassen sich nur durchsetzen, wenn die vereinbarte Beschaffenheit nachvollziehbar dokumentiert ist.

Häufige Fragen

Was kostet die Weiterverarbeitung je 1.000 Exemplare?

Falzen liegt bei etwa 90,00 Euro netto, Rückendrahtheftung bei etwa 130,00 Euro netto, Klebebinden mit PUR bei etwa 380,00 Euro netto. Fadenheftung mit Deckenband kostet ein Mehrfaches, weil Buchblock und Einband in mehreren Arbeitsgängen entstehen.

Wann ist Klebebinden günstiger als Fadenheftung?

Ab etwa 40 Seiten und bei Nutzungsdauern von wenigen Jahren.

Welche Norm gilt für buchbinderische Fertigprodukte?

DIN EN ISO 16763. Ergänzend DIN EN ISO 216 für Formate.

Lässt sich eine Veredelung nachträglich ergänzen?

Nur begrenzt. Prägen und Stanzen brauchen eigene Werkzeuge, Folieren und Lackieren sind auf bereits gefalzte oder geheftete Produkte kaum wirtschaftlich. Die Veredelung gehört deshalb in die Anfrage.

Was gehört in eine vollständige Druckanfrage?

Format, Seitenumfang, Papier, Grammatur, Auflage, Bindeart, Veredelung, Verpackung und Termin. Fehlt eine dieser Angaben, kalkuliert die Druckerei Annahmen ein, die später zu Nachträgen führen.

In diesem Leitfaden

  1. Binden oder heften für welche Seitenzahl?Binden oder heften: Welche Bindung passt zu welcher Seitenzahl? Vergleich von Rückendrahtheftung, Klebebindung, Fadenheftung und Spiralbindung mit Beispielpreisen.
  2. Veredelung im Druck: Lackieren, Prägen, Stanzen und FolierenVeredelung im Druck: UV-Lack, Dispersionslack, Heiß- und Kaltfolienprägung, Blindprägung, Stanzen und Folieren mit Einsatzbereichen und Beispielkosten.
  3. Kosten der Weiterverarbeitung: Falzen, Binden und Veredeln mit BeispielenKosten der Weiterverarbeitung: Beispielpreise je 1.000 Exemplare für Falzen, Rückendrahtheftung, Klebebindung, Fadenheftung, UV-Lack und Stanzen, netto und brutto.
  4. Checkliste für die Weiterverarbeitung vor der DruckfreigabeWeiterverarbeitung Checkliste: Falzart, Beschnitt, Bundzugabe, Bindung, Lack, Stanzform, Verpackung und Transport vor der Druckfreigabe prüfen, mit Freigabeliste.

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