Druckverfahren
Teil von Druckverfahren auswählen im Vergleich von Offset, Digital, Sieb und Flexo
Checkliste für die Auswahl eines Druckverfahrens in fünf Schritten
Checkliste Druckverfahren auswählen: fünf Prüfschritte zu Auflage, Format, Bedruckstoff, Farbigkeit und Weiterverarbeitung, mit Normen, Fogra, bvdm, Tabelle.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Fünf Prüfschritte führen von Auflage, Format und Bedruckstoff über Farbigkeit und Weiterverarbeitung bis zu Kosten und Dokumentation.
- DIN EN ISO 216 regelt Papierformate, ISO 12647 die Prozesskontrolle, Fogra PSO und das Profil Fogra39 die Farbverbindlichkeit.
- Der Bundesverband Druck und Medien (bvdm) veröffentlicht Hinweise zu Auftragsabwicklung, Kalkulation und Datenübergabe.
- Eine Entscheidungstabelle mit Ja-Nein-Fragen grenzt Offsetdruck, Digitaldruck, Siebdruck und Tiefdruck ein.
- Angebote binden den Bieter nach § 145 BGB, die Ablage von Absprachen verlangt § 238 HGB.
Schritt 1: Auflage und Nutzungsdauer prüfen
Notieren Sie geplante Auflage, mögliche Nachdrucke und die Laufzeit der Drucksache. Kleine, wechselnde Auflagen mit personalisierten Daten laufen wirtschaftlich im Digitaldruck, weil dort keine Druckplatten belichtet werden.
Bei hohen, gleichbleibenden Auflagen verteilen sich die Rüstkosten des Offsetdrucks auf viele Bogen, der Stückpreis sinkt. Rechnen Sie Varianten mit: Ein Motiv in vier Sprachfassungen ergibt eine höhere Gesamtauflage als eine einzelne Version.
Wird dieselbe Drucksache über Jahre genutzt, spricht das für eine stabile Druckform in Offset oder Tiefdruck. Bei Einzelstücken, Mustern und Kleinserien bleibt der Digitaldruck die wirtschaftliche Wahl.
Schritt 2: Format und Bedruckstoff festlegen
Bestimmen Sie Endformat, Rohformat und Beschnittzugabe. Die Papierformate der A-Reihe regelt die DIN EN ISO 216, abweichende Formate werden aus Rohbogen geschnitten. Prüfen Sie, ob das Wunschformat ohne großen Verschnitt aus dem Rohformat fällt.
Der Bedruckstoff entscheidet mit: Gestrichene Papiere nehmen Farbe anders an als Naturpapiere, Karton und Folie verlangen teils andere Verfahren. Für umweltorientierte Projekte kommen Recyclingpapiere mit Umweltzeichen infrage, deren Kriterien der Blaue Engel für Recyclingpapier beschreibt.
Achten Sie auf Grammatur, Laufrichtung und Opazität, weil davon Bogenlauf und Weiterverarbeitung abhängen.
Schritt 3: Farbigkeit und Farbverbindlichkeit klären
Legen Sie fest, ob einfarbig, zweifarbig, vierfarbig oder mit Sonderfarben gedruckt wird. Für den Offsetdruck beschreibt die ISO 12647-2 die Prozesskontrolle, gültige Farbprofile wie Fogra39 halten die Abweichung zwischen Proof und Druck klein.
Vereinbaren Sie einen Prüfdruck oder Contract Proof nach ISO 12647-7 und die Betrachtungsbedingungen nach ISO 3664. Die Fogra bietet mit dem ProzessStandard Offsetdruck (Fogra PSO) ein Regelwerk, auf das sich Druckereien zertifizieren lassen können.
Sonderfarben wie HKS oder Pantone werden als eigene Farben kalkuliert und bestellt. Prüfen Sie außerdem, ob die Daten in CMYK oder in Sonderfarbkanälen angelegt sind.
Schritt 4: Weiterverarbeitung planen
Die Weiterverarbeitung schränkt die Verfahrenswahl ein. Falzen, Sammelheften, Klebebinden, Stanzen, Prägen und Cellophanieren stellen unterschiedliche Anforderungen an Papierlaufrichtung und Bedruckstoff.
Broschüren mit vielen Seiten brauchen einen Rücken, der sich sauber brechen lässt. Rollenoffsetanlagen verbinden Druck und Weiterverarbeitung in einer Linie, was bei hohen Auflagen von Katalogen und Zeitschriften Zeit spart.
Beim Digitaldruck kommen Einleger, Personalisierung und Kuvertieren hinzu. Diese Leistungen gehören als eigene Positionen in die Kalkulation, ebenso Verpackung und Versand.
Schritt 5: Kosten, Termine und Angebote bewerten
Holen Sie mindestens zwei Angebote ein und schlüsseln Sie Rüstkosten, Druckkosten, Material, Weiterverarbeitung und Versand getrennt auf. So erkennen Sie, welches Verfahren bei Ihrer Auflage günstiger liegt.
Für die Abrechnung gilt der Regelsteuersatz von 19 Prozent, für begünstigte Druckerzeugnisse wie Bücher, Zeitungen und Zeitschriften der ermäßigte Satz. Die Rechtsgrundlage nennt § 12 UStG.
Ein abgegebenes Angebot bindet den Bieter nach § 145 BGB, die Frist zur Annahme regelt § 147 BGB. Halten Sie Anfrage, Angebot, Freigabe und Korrekturschleifen schriftlich fest, denn die Buchführungspflicht nach § 238 HGB verlangt eine nachvollziehbare Dokumentation.
Entscheidungstabelle: Ja-Nein-Kriterien
| Prüffrage | Ja | Nein |
|---|---|---|
| Auflage klein, Daten variabel? | Digitaldruck | Offsetdruck prüfen |
| Auflage hoch, Motiv gleichbleibend? | Offsetdruck, bei sehr hoher Auflage Tiefdruck | Digitaldruck |
| Sonderfarben oder metallische Töne? | Offset mit Sonderfarben, Siebdruck für Folie | Vierfarbdruck |
| Bedruckstoff uneben oder stark saugfähig? | Siebdruck, Flexodruck | Offsetdruck |
| Umfangreiche Weiterverarbeitung in Linie? | Rollenverfahren | Bogenverfahren |
Häufige Fragen
Wann lohnt sich Digitaldruck statt Offsetdruck?
Bei kleinen, wechselnden Auflagen und personalisierten Inhalten, weil keine Druckplattenkosten anfallen. Bei hohen Auflagen sinkt der Stückpreis im Offsetdruck.
Welche Normen sichern die Farbverbindlichkeit?
ISO 12647-2 für den Offsetdruck, ISO 12647-7 für den Contract Proof und ISO 3664 für das Betrachtungslicht. Die Fogra bündelt die Vorgaben im ProzessStandard Offsetdruck.
Welcher Umsatzsteuersatz gilt für Druckerzeugnisse?
Werbedrucksachen werden mit 19 Prozent abgerechnet, begünstigte Druckwerke wie Bücher, Zeitungen und Zeitschriften mit dem ermäßigten Satz nach § 12 UStG.
Wie lange ist ein Druckereiangebot bindend?
Nach § 145 BGB ist der Bieter an sein Angebot gebunden. Die Annahmefrist regelt § 147 BGB, üblich ist eine im Angebot genannte Frist.
Wer gibt technische Hinweise zur Druckabwicklung?
Der Bundesverband Druck und Medien (bvdm) veröffentlicht Merkblätter und Kalkulationshilfen für Auftraggeber und Druckereien.