Druckverfahren
Teil von Geschäftsdrucksachen bestellen: Briefpapier, Visitenkarten und Formulare richtig anlegen
Welche Daten gehören in eine Druckdatei für Geschäftsdrucksachen?
Welche Daten eine Druckdatei für Geschäftsdrucksachen enthalten muss: Beschnittzugabe, CMYK-Profil, Auflösung, Schriften, PDF/X-4 und Stanzformen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Beschnittzugabe 3 mm an allen Außenkanten, Beschnittmarken nur als Zusatz
- Farbraum CMYK mit ICC-Profil als Output Intent, Sonderfarben in eigenen Kanälen
- 300 ppi für Halbtonbilder, 1200 ppi für reine Strichvorlagen
- Schriften vollständig einbetten, Export als PDF/X-4 nach ISO 15930-7
- Lack- und Stanzformen getrennt anlegen, als Ebene oder Spotfarbe
Welches Format und welche Beschnittzugabe braucht die Datei?
Gedruckt wird selten im Endformat. Der Bogen ist größer, damit die Weiterverarbeitung sauber schneiden kann. Deshalb braucht jede Druckdatei für Geschäftsdrucksachen eine Beschnittzugabe. Üblich sind 3 mm an jeder Außenkante.
Aus DIN A4 mit 210 x 297 mm wird so ein Anschnittformat von 216 x 303 mm. Aus einer Visitenkarte nach DIN 681 mit 85 x 55 mm werden 91 x 61 mm. Für die Blattformate gilt DIN EN ISO 216.
Beschnittmarken, auch Trim Marks genannt, zeigen, wo geschnitten wird. Sie liegen außerhalb der Beschnittzugabe und dürfen das Motiv nicht berühren. In einem PDF/X-4 steckt diese Angabe bereits in der TrimBox. Marken sind dann nur eine Absicherung für Dienstleister, die ohne Box arbeiten.
Wichtiger als die Marken ist der Sicherheitsabstand. Texte, Logos und Rahmen sollten mindestens 3 mm vom Beschnittrand entfernt stehen, bei Briefbogen eher 5 mm. Für Briefbogen kommen die Rand- und Zeilenmaße nach DIN 5008 hinzu. An der Falzkante ist keine Beschnittzugabe nötig, dort braucht die Gestaltung nur Abstand zum Falz.
Welcher Farbraum und welches ICC-Profil gehören in die Datei?
Geschäftsdrucksachen entstehen im Vierfarbdruck, also gehört die Datei in den Farbraum CMYK. RGB-Bilder und RGB-Verläufe müssen vor dem Export konvertiert werden. Sonst rechnet die Druckerei selbst, und das Ergebnis ist nicht mehr planbar.
Als Referenz dient ein ICC-Profil der Fogra in Aschheim bei München. Es wird als Output Intent in das PDF eingebettet. Gängige Kombinationen sind ISO Coated v2 mit FOGRA39L für gestrichene Papiere, PSO Coated v3 mit FOGRA51 als aktuelle Empfehlung und PSO Uncoated v3 mit FOGRA52 für ungestrichene Naturpapiere. Das Profil muss zum Papier passen, das die Druckerei einsetzt.
Sonderfarben wie HKS oder Pantone gehören als eigene Spotkanäle in die Datei, nicht als CMYK-Nachbau. Fließtext setzen Sie in 100 Prozent Schwarz, nicht in Vierfarb-Schwarz. Für große schwarze Flächen ist ein Schwarzaufbau mit Cyan und Magenta üblich.
Welche Auflösung und welche Schriften braucht die Datei?
Halbtonbilder brauchen bei 100 Prozent Größe mindestens 300 ppi. Strichvorlagen, also reine Schwarz-Weiß-Zeichnungen und Bitmaps, liegen bei 600 bis 1200 ppi. Vektordaten, Logos und Schmuckelemente haben keine Auflösung, sie skalieren verlustfrei. Wer Bilder in der Datei vergrößert, senkt die effektive Auflösung, deshalb vorher prüfen.
Schriften müssen vollständig eingebettet sein, samt aller verwendeten Schnitte. Ein Verweis auf Systemschriften reicht nicht, denn der Ausgabe-RIP ersetzt fehlende Schriften und verändert den Umbruch. Alternativ wandeln Sie Schriften in Pfade um. Danach ist keine Textkorrektur mehr möglich, deshalb erst nach der letzten Freigabe.
Auch Überdrucken gehört zu den Angaben. Bei dunklen Hintergründen setzen Sie Überdrucken ausdrücklich, damit keine weißen Blitzer entstehen.
Warum PDF/X-4 und wie werden Lack- und Stanzformen getrennt?
Das passende Austauschformat ist PDF/X-4 nach ISO 15930-7. Es erlaubt Transparenzen, ICC-basierte Farben und Ebenen, die viele Druckereien für Veredelungen auswerten. Exportieren Sie aus InDesign, Illustrator oder vergleichbaren Programmen mit Ausgabebedingung, Beschnittzugabe und Beschnittmarken.
Veredelungen brauchen eigene Formen. Spotlack, Heißfolie und Stanzkonturen liegen auf separaten Ebenen oder in eigenen Spotfarben, benannt zum Beispiel 'Lack' oder 'Stanzform'. Die Stanzform zeichnen Sie als 100-prozentige Kontur auf der Außenkante des Endformats. Die Lackform bleibt innerhalb dieser Kontur. Viele Druckereien wünschen diese Formen zusätzlich in einer separaten Datei.
Rechenbeispiel: Anschnittformate für Briefbogen und Visitenkarte
| Drucksache | Endformat | Beschnittzugabe | Anschnittformat | Farbprofil |
|---|---|---|---|---|
| Briefbogen nach DIN A4 | 210 x 297 mm | 3 mm je Kante | 216 x 303 mm | PSO Coated v3 (FOGRA51) |
| Visitenkarte nach DIN 681 | 85 x 55 mm | 3 mm je Kante | 91 x 61 mm | ISO Coated v2 (FOGRA39L) |
| Flyer DIN A5 | 148 x 210 mm | 3 mm je Kante | 154 x 216 mm | PSO Uncoated v3 (FOGRA52) |
Die Rechnung ist einfach: zweimal 3 mm auf Breite und Höhe addieren. Bei der Visitenkarte ergibt das 85 plus 6 mm in der Breite und 55 plus 6 mm in der Höhe.
Welche Angaben gehören neben der Datei in die Auftragsunterlagen?
Eine Druckdatei allein reicht nicht. Notieren Sie Auftragsnummer, Ansprechpartner, Auflage, Papier, Veredelung, Ausgabeformat und Freigabestand. Diese Angaben machen den Auftrag prüfbar, denn Geschäftsvorfälle müssen nachvollziehbar dokumentiert werden.
Vor der Produktion steht das Angebot der Druckerei. Eine Druckerei ist an ihr Angebot gebunden, sobald sie es abgibt. Auch die Annahmefrist bei Angeboten und Verträgen ist gesetzlich geregelt. Bestätigen Sie Datenstand, Liefertermin und Korrekturlauf schriftlich.
Kalkulieren Sie die Umsatzsteuer mit: Für Geschäftsdrucksachen gilt regelmäßig der Regelsteuersatz nach § 12 UStG.
Häufige Fragen
Reicht es, RGB-Daten an die Druckerei zu schicken?
Nein. Geschäftsdrucksachen laufen im CMYK-Druck. Konvertieren Sie RGB vorher mit dem passenden Profil, sonst bleibt das Farbergebnis offen.
Brauche ich Beschnittmarken, wenn ich PDF/X-4 liefere?
Nicht zwingend. Die TrimBox beschreibt das Endformat. Marken schaden nicht, wenn sie außerhalb der Beschnittzugabe liegen und der Dienstleister sie ausblenden kann.
Welches ICC-Profil passt zu ungestrichenen Papieren?
Für ungestrichene Naturpapiere ist PSO Uncoated v3 mit FOGRA52 die aktuelle Empfehlung, in älteren Workflows ISO Uncoated mit FOGRA29.
Müssen Lack- und Stanzformen in einer separaten Datei liegen?
Oft ja. Legen Sie sie zusätzlich als eigene Ebene oder Spotfarbe im Druck-PDF an, damit die Position prüfbar bleibt.
Wie prüfe ich die fertige Datei vor dem Versand?
Mit einer Preflight-Prüfung: Farbraum, Auflösung, eingebettete Schriften, Beschnittzugabe und Spotkanäle kontrollieren.