
Weiterverarbeitung
Weiterverarbeitung Druck: Falzen, Binden und Veredeln für drei fiktive Aufträge planen
Planen Sie Falzarten, Bindung und Veredelung für drei fiktive Druckaufträge anhand dokumentierter Herstellergrenzen. Konkrete Entscheidungstabelle und Abläufe.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Planung der Druckweiterverarbeitung beginnt mit belastbaren Verfahrensgrenzen, nicht mit Maschinenwerten.
- Drei fiktive Aufträge zeigen, wie sich Falzart, Bindung und Veredelung anhand dokumentierter Anbieterangaben begründet auswählen lassen.
- Klammerheftung und Klebebindung haben unterschiedliche Grammatur- und Seitenzahlgrenzen; diese steuern die Bindeentscheidung.
- Veredelungen wie Dispersionslack, Relieflack und Cellophanierung erfüllen unterschiedliche Schutz- und Haptikziele.
Grundlagen der Weiterverarbeitung und ihre Grenzen
Wer ein Druckprodukt plant, muss die Weiterverarbeitung vom Endformat her denken. Die Siebdrucker-Ausbildungsverordnung verlangt in der Pflichtqualifikation "Siebdruckweiterverarbeitung" das Festlegen material- und produktionsbezogener Arbeitsabläufe, das Anwenden von Druckweiterverarbeitungstechniken und das Prüfen der Arbeitsergebnisse. Das ist ein Ausbildungsrahmen, keine Produktionsanleitung. Für die konkrete Planung liefern Herstellerangaben die notwendigen Grenzwerte.
Die Laufrichtung des Papiers spielt beim Falzen eine Rolle. Onlineprinters weist darauf hin, dass bei industriell gefertigtem Papier die Faseranordnung die Laufrichtung bestimmt. In der Druckproduktion wird versucht, sie zu berücksichtigen. Ein leichtes Aufbrechen am Falz lässt sich bei manchen Erzeugnissen aber nicht ausschließen. Für die Planung bedeutet das: Falzempfindliche Papiere oder kritische Motive sollten früh mit dem Anbieter geklärt werden.
Entscheidend ist die Trennung zwischen dokumentierten Einzelgrenzen und der Freigabe einer vollständigen Produktkonfiguration. Ein Anbieter kann die Klammerheftung für ein bestimmtes Papier beschreiben und die Klebebindung für ein anderes. Ob eine Kombination aus Umschlag, Innenteil und Veredelung tatsächlich bestellbar ist, bleibt eine produktspezifische Frage. Die folgenden Planungen machen das an drei fiktiven Aufträgen sichtbar.
Falzarten: Vom Altarfalz bis zum Kreuzfalz
Falzarten teilen sich grundsätzlich in Parallelfalze und Kreuzfalze. Bei Parallelfalzen verlaufen die Falzlinien parallel zueinander, bei Kreuzfalzen stehen sie im Lot. Onlineprinters beschreibt in seiner Übersicht der Falzarten die wichtigsten Varianten. Der Altarfalz gehört zu den Parallelfalzen: Die äußeren Teile werden ohne Überlappung nach innen gefalzt. Beim 2-Bruch-Altarfalz entstehen zwei Brüche und sechs Seiten, beim 3-Bruch-Altarfalz drei Brüche und acht Seiten.
Der Kreuzbruchfalz wird jeweils um 90 Grad versetzt mittig gefalzt. Der 2-Bruch-Kreuzfalz erzeugt acht Seiten, der 3-Bruch-Kreuzfalz sechzehn Seiten. Daneben gibt es den Parallelmittelfalz und den Wickelfalz. Der 3-Bruch-Parallelfalz ergibt acht Seiten, der 2-Bruch-Wickelfalz sechs Seiten. Für die Planung zählt die Seitenzahl nach dem Falzen. Ein achtseitiger Flyer lässt sich mit einem 3-Bruch-Altarfalz oder einem 2-Bruch-Kreuzfalz realisieren; die Wirkung im Postwurf unterscheidet sich.
Der Zickzackfalz, auch Leporellofalz genannt, faltet in wechselnder Richtung. Er eignet sich für Inhalte, die nacheinander aufgeklappt werden sollen. Die Wahl der Falzart ist kein Selbstzweck. Sie bestimmt, welche Seite zuerst sichtbar ist und wie der Leser durch das Produkt geführt wird. Wer einen Flyer als Postwurfsendung plant, braucht eine kompakte, robuste Falzung. Ein Katalog mit Einzelblättern wird dagegen meist gar nicht gefalzt.
Binden: Klammerheftung und Klebebindung im Vergleich
Klammerheftung: Grenzen bei Grammatur und Seitenzahl
Die Klammerheftung verbindet ineinandergesteckte Druckbogen mit Drahtklammern im Rückenfalz. Laut Anbieterangaben lassen sich Papierstärken bis 350 g/m² verarbeiten. Die mögliche Seitenzahl hängt von der Grammatur ab: Bei 250 g/m² Bilderdruckpapier sind maximal 40 Inhaltsseiten möglich, bei 90 g/m² bis zu 128 Seiten. Die Seitenanzahl muss durch vier teilbar sein, Einzelblätter sind nicht verarbeitbar.
Für eine Speisekarte mit 16 Innenseiten und 170 g/m² Innenteil ist die Klammerheftung naheliegend. Die Seitenzahl ist durch vier teilbar. Der Anbieter beschreibt unterschiedliche Papiere für Inhalt und Umschlag als problemlos. Ob die konkrete Kombination aus 170 g/m² Innenteil und 300 g/m² Umschlag tatsächlich angeboten wird, muss produktspezifisch freigegeben werden. Bei seitenübergreifenden Motiven rechnet der Anbieter mit einer Ausrichtungstoleranz von 1,0 bis 2,0 mm. Deshalb wird im Beispiel ein Motiv gewählt, das den Bund nicht überquert.
Der Ablauf ist klar umrissen: Druckbogen am Rücken falzen und ineinanderstecken, Draht durch den Rückenfalz stoßen, Drahtenden innen umbiegen. Anschließend folgt der übliche Dreiseitenbeschnitt. Bogenausschießen, Falzpositionen und Maschinenparameter sind daraus nicht abzuleiten. Die Klammerheftung ist schnell, günstig und flach aufschlagbar. Sie eignet sich für Produkte mit geringem Umfang, bei denen der Bund nicht zu dick wird.
Klebebindung: Arbeitsablauf und PUR-Aushärtung
Die Klebebindung wird industriell fast ausschließlich als Fräsklebebindung ausgeführt. Der Arbeitsablauf der Klebebindung beginnt mit dem Hintereinander-Zusammentragen einzelner Falzbogen oder Blätter. Dann wird der Rücken angefräst und aufgeraut, der Papierstaub entfernt und der Klebstoff aufgetragen. Der Umschlag wird angepresst, danach erfolgt der Dreiseitenbeschnitt. Einzelblätter sind ausdrücklich verarbeitbar und müssen nicht eigens gefalzt werden.
Für den Klebstoff kommen Hotmelt oder PUR infrage. Hotmelt ist günstig und schnell trocknend, aber weniger haltbar. PUR ist teurer, härtet reaktiv aus und erreicht nach Anbieterangabe die Haltbarkeit einer Fadenheftung. PUR benötigt 72 Stunden zum Aushärten. Diese Angabe ist als Herstellervorgabe einzuplanen, nicht als selbst gemessener Wert. Ein Katalog, der häufig aufgeschlagen wird, profitiert vom besseren Aufschlagverhalten der PUR-Klebebindung.
Die Klebebindung hat eigene Grenzen bei Grammatur und Umfang. Bei 80 g/m² bietet der Anbieter die Klebebindung ab 56 Inhaltsseiten an, bei 250 g/m² ab 24 Seiten. Im Digitaldruck für Kleinauflagen ab 8 Seiten. Nach oben sind über 300 Seiten möglich. Für die Rückenstärke gilt eine Faustformel: Inhaltsseiten geteilt durch 2, multipliziert mit der Grammatur, geteilt durch 1000. Bei 64 Seiten mit 250 g/m² ergeben sich rechnerisch 8 mm. Das ist ein Planungswert, kein verbindliches Maschinenmaß.
Druckveredelungen: Dispersionslack, Relieflack, Cellophanierung
Druckveredelungen schützen und verändern die Oberfläche. Onlineprinters unterscheidet unter anderem Dispersionslack, UV-Lack, Relieflack, Heißfolienprägung und Cellophanierung. Dispersionslack ist bei vielen Produkten standardmäßig enthalten. Er ist wasserbasiert, trocknet schnell und schützt vor Abrieb. Für einen Werbeflyer im Postwurf reicht diese Grundveredelung in der Regel aus.
Partieller Relieflack hebt einzelne Elemente haptisch hervor. Er wird als dick aufgetragener transparenter Lack auf Logos, Schriftzüge oder Motive appliziert. Der Effekt ist erhaben und fühlbar. Für einen Produktkatalog, der als Verkaufsunterlage dient, kann ein partieller Relieflack auf dem Logo die Wertigkeit steigern. Die Druckdaten müssen das Veredelungsfeld korrekt ausweisen: Bei Onlineprinters heißt das Farbfeld für UV-Lack und Relieflack "coating", für Heißfolie "foil". Als Farbwert wird 100 % Cyan angegeben.
Die Cellophanierung beschichtet das Papier mit einer hauchdünnen transparenten Folie. Sie wirkt stabiler und schützt vor Schmutz, Kratzern und Farbabrieb. Die matte Variante bietet eine elegante Optik mit reduzierter Lichtreflexion. Eine Speisekarte im Restaurant wird häufig angefasst und gereinigt. Eine matte Cellophanierung des Umschlags kombiniert Schutz und ruhige Anmutung. Die Veredelung erfolgt vor der Bindung, damit der Umschlag vollflächig behandelt werden kann. Trocknung und Materialverträglichkeit müssen freigegeben sein.
Drei fiktive Aufträge: Entscheidungen und Begründungen
Die folgende Tabelle führt drei Planungsbeispiele zusammen. Alle Mengen, Formate, Papiere und Oberflächenwünsche sind eigene Annahmen. Dokumentierte Einzelgrenzen belegen nicht die Bestellbarkeit jeder gesamten Kombination. Jede Auswahl ist eine begründete Planung, die vor dem Auftrag produktspezifisch freigegeben werden muss.
Drei fiktive Aufträge
| Auftrag | Produkt und Annahmen | Gewählte Falzart | Gewählte Bindung | Gewählte Veredelung | Produktbearbeitung | Begründung mit dokumentierten Grenzen |
|---|---|---|---|---|---|---|
| A | 8-seitiger Werbeflyer DIN lang, 135 g/m² Bilderdruckpapier, 5.000 Exemplare, Postwurf | 3-Bruch-Altarfalz (8 Seiten) | keine | Dispersionslack | Zuschnitt, Lackierung, Trocknung, Falzen | 3-Bruch-Altarfalz ergibt laut Anbieter 8 Seiten. Dispersionslack ist bei vielen Flyern standardmäßig enthalten und schützt vor Abrieb. |
| B | Produktkatalog DIN A4, 64 Inhaltsseiten 250 g/m², separater 4-seitiger Umschlag, 2.000 Exemplare, Verkaufsunterlage | kein Falz der Inhaltsblätter (Einzelblätter) | Klebebindung mit PUR | partieller Relieflack auf Logo | Zusammentragen, Rücken anfräsen, Klebstoff auftragen, Umschlag anpressen, Dreiseitenbeschnitt | Klammerheftung erlaubt bei 250 g/m² nur 40 Inhaltsseiten. Klebebindung ist bei 250 g/m² ab 24 Seiten möglich. PUR für häufiges Aufschlagen. |
| C | Speisekarte DIN A5, 16 Innenseiten 170 g/m², 4-seitiger Umschlag 300 g/m², 500 Exemplare, Restaurant | keine zusätzliche Falzart für Innenteil; Bogen am Rücken gefalzt | Klammerheftung | matte Cellophanierung des Umschlags | Bogen falzen, ineinanderstecken, Draht durch Rückenfalz, Dreiseitenbeschnitt | 16 Seiten durch vier teilbar. Anbieter beschreibt unterschiedliche Papiere für Inhalt und Umschlag. Kombination aus 170 und 300 g/m² muss freigegeben werden. Motiv überquert den Bund nicht wegen 1,0 bis 2,0 mm Toleranz. |
Auftrag A: Werbeflyer im Postwurf
Der Flyer ist mit 135 g/m² relativ leicht. Der 3-Bruch-Altarfalz erzeugt aus einem Bogen acht Seiten und bleibt im DIN-lang-Format kompakt. Eine Bindung ist bei acht Seiten weder nötig noch vorgesehen. Der Dispersionslack schützt die Oberfläche beim Transport und beim Verteilen. In der eigenen Ablaufplanung werden Papierzuschnitt, Lackierung und ausreichende Trocknung vor dem Falzen festgehalten. Vor der Bestellung sind Falzvorlage, Eignung des lackierten Papiers und die genaue Kombination zu bestätigen.
Auftrag B: Produktkatalog mit Klebebindung
Der Katalog hat 64 Innenseiten mit 250 g/m². Die Klammerheftung scheidet aus, weil sie bei dieser Grammatur nur 40 Inhaltsseiten erlaubt. Die Klebebindung ist bei 250 g/m² ab 24 Seiten möglich. Da der Katalog als Verkaufsunterlage häufig aufgeschlagen wird, fällt die Wahl auf PUR-Klebstoff. Die 72-stündige Aushärtung wird eingeplant. Der Umschlag wird vor dem Binden partiell mit Relieflack veredelt. Der Ablauf folgt der Fräsklebebindung: Blätter hintereinander zusammentragen, Rücken anfräsen, Staub entfernen, Klebstoff auftragen, Umschlag anpressen, Dreiseitenbeschnitt.
Auftrag C: Speisekarte mit Klammerheftung
Die Speisekarte hat 16 Innenseiten und einen separaten Umschlag. Die Seitenzahl ist durch vier teilbar, was die Klammerheftung ermöglicht. Die unterschiedlichen Grammaturen von Innenteil und Umschlag sind laut Anbieter möglich, müssen aber produktspezifisch freigegeben werden. Der Umschlag wird vor dem Binden matt cellophaniert. Der Ablauf: Druckbogen am Rücken falzen und ineinanderstecken, Draht durch den Rückenfalz stoßen und innen umbiegen, Dreiseitenbeschnitt. Im Beispiel überquert wegen der Toleranz von 1,0 bis 2,0 mm kein Motiv den Bund.
Häufige Fragen
Welche Klammerheftungsgrenzen gelten laut Hersteller?
Bei 250 g/m² Bilderdruckpapier sind maximal 40 Inhaltsseiten möglich, bei 90 g/m² bis zu 128 Seiten. Die Seitenanzahl muss durch vier teilbar sein. Einzelblätter können nicht verarbeitet werden. Diese Angaben beziehen sich auf die Produktionsmöglichkeiten von Onlineprinters und sind bei anderen Dienstleistern möglicherweise anders.
Wie lange dauert die Aushärtung von PUR-Klebebindungen?
Polyurethan-Klebstoffe härten reaktiv unter Einwirkung der Luftfeuchtigkeit aus. Der Hersteller gibt dafür 72 Stunden an. In dieser Zeit sollte das Produkt nicht aufgeschlagen werden. Die Angabe ist eine Herstellervorgabe und kein selbst gemessener Wert.
Muss ich bei einem seitenübergreifenden Motiv eine Toleranz einplanen?
Bei der Klammerheftung rechnet Onlineprinters mit einer Ausrichtungstoleranz von 1,0 bis 2,0 mm für Motive, die über zwei nebeneinanderliegende Seiten verlaufen. Um Risiken zu vermeiden, wird im Planungsbeispiel ein Motiv gewählt, das den Bund nicht überquert. Dies ist eine Anbieterangabe und keine universelle Norm.



